“Krisenmodus” ist Wort des Jahres

Wenn die Ausnahme zum Dauerzustand wird.

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Check-List Redaktion

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“Krisenmodus” wurde von der Gesellschaft f√ľr deutsche Sprache zum Wort des Jahres 2023 gek√ľrt. Der Ausnahme- sei zum Dauerzustand geworden, befand die zust√§ndige Experten-Jury. Ein Begriff, der auch die wirtschaftliche Entwicklung im DACH-Raum √ľber das Jahr widerspiegelt. Inflation, hohe Energiepreise und wuchernde Zinsen hemmten Investitionen. Dazu leiden zahlreiche Branchen weiter unter Fachkr√§ftemangel und in der Rezession sind vielen Firmen die Auftr√§ge weggebrochen.

Planlose Wirtschaftspolitik”

Das ifo Institut und das Institut f√ľr Schweizer Wirtschaftspolitik attestierten den DACH-L√§ndern k√ľrzlich eine deutlich¬†schlechtere wirtschaftspolitische Lage¬†als im Vorquartal. In Deutschland erscheine die Wirtschaftspolitik zudem planlos und setze zu wenig auf Marktmechanismen.

Laut ifo-Umfrage im November stieg die Zahl der Insolvenzen und 6,8 Prozent der deutschen Unternehmen sahen in ihrer Existenz bedroht – zwei Prozent mehr als im Januar. 35 Prozent begr√ľndeten dies mit Auftragsmangel. Dieser schlug etwa im Maschinenbau oder in der Chemischen Industrie besonders stark zu Buche.

Baugewerbe unter Druck

Besonders betroffen vom Krisenmodus ist die Baubranche. Sie √§chzt unter hoher Inflation und strengeren KreditvergabenStornierte Projekte aufgrund h√∂herer Zinsen und inflationsbedingt gestiegener Baukosten brachten den Wohnungsbau in Not und lie√üen die Zahl der Baugenehmigungenf√ľr Wohnungen drastisch sinken. Das Resultat: Skeptische Immobilienfinanzierer blicken besorgt in die Zukunft.

Viele Branchen haben auch mit Fachkr√§ftem√§ngel zu k√§mpfen, sei es als Folge der Corona-Ma√ünahmen oder – wie in der IT-Branche – wegen zu wenigen Mitarbeitern, die sich mit K√ľnstlicher Intelligenz (KI) auskennen. Dies hat laut Equinix-Umfrage die KI-Einf√ľhrung in Unternehmen teilweise ausgebremst.

KI massiv im Kommen

Dennoch fungiert KI vermehrt als Treiber von Unternehmensprozessen. Das zeigt auch der¬†wachsende deutsche KI-Markt, der bis Ende 2023 auf 6,3 Mrd. Euro angewachsen ist. Deutsche Firmen profitierten laut ABBYY-Europe-Studie von¬†KI-Investments¬†durch Vorteile f√ľr Kundennutzen, Mitarbeiterzufriedenheit und Rentabilit√§t. Auch bei den DAX40-Konzernen herrscht¬†KI-Aufbruchstimmung, wobei KI oft noch nicht in den Unternehmen etabliert ist und nur selten in deren Berichten auftaucht.

Laut internationaler Gartner-Umfrage sehen vier von f√ľnf Unternehmensstrategen KI und Analytik k√ľnftig als entscheidende Erfolgsfaktoren. Und zumindest in den USA verlegen sich immer mehr Firmen bereits darauf, Bewerbungsverfahren mit KI durchzuf√ľhren.

Verbraucher vorsichtig

Steigende Energie- und Lebensmittelpreise sorgten 2023 speziell bei Menschen mit niedrigeren Einkommen f√ľr angespannte Haushaltslagen. Kein Wunder, dass sich viele Verbraucher in Zur√ľckhaltung √ľbten und die Konjunktur nicht in Fahrt kam. Laut Schufa-Umfrage hat jeder dritte Deutsche¬†Zahlungen hinausgez√∂gert, viele andere setzten auf¬†Ratenzahlungen¬†und immer mehr sahen sich gezwungen, einen¬†Dispokredit¬†aufzunehmen. Dabei machten viele Banken Sparern das Leben mit¬†Nullzinsen¬†schwerer. Auch in den USA ist durch anhaltende Rezession weiterhin die¬†Kauflaune getr√ľbt.

In den ostdeutschen Bundesl√§ndern belasten h√∂here Strompreise die Verbraucher zus√§tzlich, wobei hierbei auch die staatliche Strompreisbremse greift. Ein wichtiger Grund f√ľr die Extrakosten sind gestiegene Stromnetzgeb√ľhren. Strom-Importe haben bundesweit zugenommen, da weniger Strom erzeugt wurde. Gr√ľnde daf√ľr waren Einsparungen wegen hoher Energiepreise, konjunkturelle Abschw√§chung und die Abschaltung der vergangenen drei Kernkraftwerke zum 15. April 2023.

Chinas Immobilienmarkt

In China hingegen sind momentan √ľber 20 neue Atomreaktoren in Planung oder im Bau. Hier bereitete in den vergangenen Monaten der Immobiliensektor gro√üe Sorgen: Aufgrund finanzieller Probleme drohen 20 Mio. unfertige Wohnungen, bei jedem dritten Investor stehen die Zeichen auf Verkauf.

Daf√ľr liegt China in punkto¬†technische Leistungsf√§higkeit¬†mittlerweile vor den USA, die aber milit√§risch und wirtschaftlich global weiter an der Spitze rangieren. Politische Spannungen zwischen den beiden Weltm√§chten und die Konjunkturabschw√§chung im Reich der Mitte haben f√ľr¬†skeptische US-Unternehmen¬†in China gesorgt. Rosige Aussichten erwartet hingegen laut einer Umfrage des Wirtschaftsverbandes Ficci¬†Indiens Wirtschaft: Sie w√§chst demnach im kommenden Fiskaljahr dank einem stabilen Finanzsektor und mehr privaten Investitionen um 6,3 Prozent.

Pressetext/Red.

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