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So unterschätzt Europa die Hochwassergefahr

Die Welt steuert auf eine neue Ära extremer Niederschläge und gefährlicher Wetterfolgen zu.

red04 12:17 Uhr 3 Min. Lesezeit
Weltweit fallen durchschnittlich rund 50 Prozent des Jahresniederschlags innerhalb von nur 9,4 Regenperioden.
Weltweit fallen durchschnittlich rund 50 Prozent des Jahresniederschlags innerhalb von nur 9,4 Regenperioden. © Adobe Stock

Was früher über mehrere Tage verteilt fiel, konzentriert sich immer stärker auf kürzere Zeiträume. Eine internationale Studie zeigt, wie sich die Niederschlagsmuster weltweit verändern. Die Folgen reichen von Sturzfluten über Ernteausfälle bis zu längeren Trockenperioden.

Der Regen kommt nicht unbedingt öfter, aber immer ungleichmäßiger. Während manche Regionen unter heftigen Niederschlägen leiden, bleiben andere über längere Zeiträume trocken. Eine neue internationale Untersuchung zeigt nun, wie stark sich die Verteilung der Niederschläge verändert hat. Besonders deutlich ist die Entwicklung in Europa und Südamerika.

Für die Studie, die im Fachjournal Earth’s Future veröffentlicht wurde, werteten Forscher der Beijing Normal University tägliche Messdaten von 19.183 Wetterstationen aus. Untersucht wurde der Zeitraum von 1980 bis 2022. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie viel Zeit vergeht, bis die niederschlagsreichsten zusammenhängenden Regenperioden die Hälfte der jährlichen Niederschlagsmenge liefern.

Das Ergebnis: Weltweit fallen durchschnittlich rund 50 Prozent des Jahresniederschlags innerhalb von nur 9,4 Regenperioden. Diese dauern zusammengerechnet etwa 27,8 Tage. An 45,7 Prozent der untersuchten Messstationen hat sich dieser Zeitraum im Beobachtungszeitraum signifikant verkürzt. Global gerechnet nimmt er im Durchschnitt um 0,4 Tage pro Jahrzehnt ab.

Europa besonders stark betroffen

Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung in Europa. Hier ging die Dauer der niederschlagsreichsten zusammenhängenden Regenperioden im Untersuchungszeitraum besonders deutlich zurück. An mehr als 40 Prozent der europäischen Messstationen wurde eine signifikante Verkürzung festgestellt. Die mittlere Dauer der einzelnen Regenperioden sank um 0,08 Tage pro Jahrzehnt.

Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass jeder einzelne Starkregen intensiver wird. Die Forscher unterscheiden ausdrücklich zwischen der Dauer der Regenperioden und der Niederschlagsmenge pro Ereignis. In Europa und Südamerika ist die zunehmende Konzentration vor allem auf kürzere Regenperioden zurückzuführen. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge pro Ereignis ist in diesen Regionen sogar zurückgegangen.

Mehr Wasser auf einmal, längere Trockenphasen

Die Verschiebung der Niederschlagsmuster kann weitreichende Folgen haben. Fällt dieselbe Wassermenge innerhalb kürzerer Zeit, kann der Boden weniger davon aufnehmen. Ein größerer Anteil fließt oberirdisch ab und belastet Flüsse, Kanäle und Entwässerungssysteme. In dicht bebauten Gebieten steigt damit das Risiko lokaler Überschwemmungen und Sturzfluten.

Gleichzeitig bleibt zwischen den Regenperioden weniger regelmäßiger Niederschlag. Das kann Böden austrocknen, die Landwirtschaft belasten und die Wasserversorgung erschweren. Auch Bodenerosion und eine höhere Anfälligkeit für Waldbrände zählen zu den möglichen Folgen.

Die Studie zeigt damit ein Problem, das über einzelne Unwetter hinausgeht. Nicht nur die Menge des jährlichen Niederschlags entscheidet über die Wasserversorgung einer Region. Auch der Zeitpunkt und die Verteilung des Regens spielen eine zentrale Rolle. Für Landwirtschaft, Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft wird es deshalb schwieriger, mit bisherigen Niederschlagsmustern zu planen.

(red)

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