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Der Parkgaragen Check

Plötzlich wird es dunkel. Alle Lichtquellen versiegen. Bestenfalls glimmen hier und da noch die gesetzlich vorgeschriebenen Hinweistafeln, die den Weg zum Notausgang zeigen…

13.06.2024 14:27
Redaktion
© Harald Fleischer

Kein Rauschen von Aufzügen. Kein Brummen von Gebläseanlagen. Man wartet auf das neuerliche Aufflackern des Lichtes. Eine gewisse Unruhe setzt ein, wenn man sich gerade in einer Tiefgarage befindet und das Licht geht aus. Man hofft auf eine Erleuchtung, aber bei einem Blackout kann das Minuten, Stunden und vielleicht auch Tage dauern. Wer außerhalb der großen Städte wohnt, hätte im Falle eines kompletten Stromausfalles kaum eine Möglichkeit, nach Hause zu kommen. Außer mit dem eigenen Auto. Denn Straßenbahnen, U-Bahnen und auch die Eisenbahnen sind ohne Strom nicht betriebsfähig. 

Genau diese Überlegungen haben wir in der CL-Redaktion angestellt und wollten wissen, was passiert, wenn ein Blackout eintritt und man sich gerade in einer Parkgarage befindet oder auch sein Fahrzeug von dort abholen möchte. Wie gut sind Garagenbetreiber auf derartige Vorfälle vorbereitet?

Es gibt laut der Site parken.at (betrieben vom Fachverband der Garagen-, Tankstellen- und Serviceunternehmen der WKÖ) in Österreich über 700 und in Wien mehr als 300 Parkgaragen. Angesichts dieser Zahlen ist es natürlich nicht möglich, alle Parkgaragen aufzusuchen. Aber schon ein Besuch einiger Garagen gibt Aufschluss über das übliche Prozedere in solchen Notsituationen.Doch zuerst ein Blick in die AGBs der großen Parkgaragenbetreiber. Immerhin akzeptiert man diese, wenn man in die Garage einfährt und sein Auto dort parkt. Die AGBs sind relativ umfangreich und beinhalten ungezählte Pflichten für den Parkenden. Über den Umstand eines eventuellen kompletten Stromausfalles und der sich daraus ergebenden Situation ist allerdings nichts zu finden.

Strom aus dem Aggregat

Also machen wir die Probe aufs Exempel. Erste Station: die sehr stark frequentierte Garage Freyung in Wien. Ein sehr freundlicher und kompetenter Mitarbeiter gibt gerne Auskunft darüber, was im Falle eines Stromausfalles passiert. Er betont, dass dann nicht nur das Licht ausgehen würde, sondern auch die Liftanlagen nicht funktionieren würden, die Ein- und Ausfahrtschranken sich nicht öffnen würden und auch die Zahlterminals außer Betrieb wären. Ganz schlimm wäre auch der Ausfall der Gebläseanlagen, denn ohne Frischluft wäre ein Aufenthalt in der Garage durch die erhöhte Konzentration der Fahrzeugabgase durchaus gefährlich. Doch, so beruhigt er wieder, würden die meisten Garagen über ein Notstromaggregat verfügen, welches automatisch im Falle eines Stromausfalles zum Einsatz komme. So habe diese Garage beispielsweise ein leistungsstarkes Aggregat mit einem 6-Zylinder-Dieselmotor. Und damit auch ein längerer Zeitraum überbrückt werden kann, verfügt das Notstromaggregat über einen 400-Liter-Tank. Ältere Garagen würden laut seiner Aussage zumeist über solche Dieselaggregate verfügen, während modernere schon mit Stützbatterien, also Akkus im Ausmaß eines Wohnzimmers, für Notsituationen ausgestattet sind. Jedenfalls gewährleisten diese automatischen Notstromaggregate einen praktisch uneingeschränkten Betrieb. D.h. der Kunde sollte nichts merken und die Garage nach Bezahlung ungehindert verlassen können.

Ohne Strom wäre es in der Garage auch mit Frischluft nicht weit her… // © Harald Fleischer

Also verlassen wir die Freyung und machen uns auf zum nächsten Objekt: der Garage Am Hof. Auch dort sitzt ein Garagenmitarbeiter in seiner Box hinter Glas.  Da er keine Anstalten macht, aus seiner Box zu kommen, kommunizieren wir über Mikro und Lautsprecher der Gegensprechanlage. Es ist eine eher kurze Kommunikation, denn er meint nur, dass ein Stromausfall kein Problem sei. Sie würden über ein automatisches Notstromaggregat verfügen und alles laufe einfach weiter. Eine beglückende Antwort, denn nicht bei allen Garagen ist das gewährleistet.

So weit, so gut. Aber wie sieht es bei kleineren Parkgaragen aus? Also auf zur Apollo-Garage im siebten Wiener Gemeindebezirk. Fährt man in die Garage ein, fühlt man sich um Jahrzehnte zurückversetzt. Hier sucht man vergebens elektronische Einfahrtsysteme oder Kassenautomaten. Ein Garagenmitarbeiter weist einem den Platz zu und übergibt das Einfahrtsticket. Ein Stromausfall hätte an diesem Ort also keinen allzu großen Effekt. Man kann die Parkgebühr nur bar bezahlen und jederzeit ohne elektronisch gesteuertes Hindernis die Garage verlassen. Ja, auch so etwas gibt es noch. Wenn auch nur noch selten. 

Großer Nachteil von kleinen Garagen: Sie verfügen noch über keine elektronische Aufrüstung // © Harald Fleischer

In der Garage am Concordiaplatz kommt sogleich ein freundlicher Mann aus seiner Box. Auf die Situation eines Stromausfalles angesprochen, klärt er auf, dass in diesem Falle extra jemand kommen und die Schranken manuell öffnen müsse. Bei einem totalen Blackout könne das natürlich etwas dauern, wenn mehrere Garagen anzufahren sind. 

Nur Bares ist Wahres

In der Operngasse begrüßt eine Dame die Kunden. Sie zeichnet ein alternatives Szenario im Falle eines Blackouts: Alle Türen und Schranken würden sich automatisch öffnen und man könne die Garage ungehindert verlassen. Doch wie ist das mit den Bezahlterminals? Die sind ja in der Regel nicht von den Garagenbetreibern. Die Firma, die wohl die meisten Parkgaragen mit den elektronischen Zufahrts- und Bezahlsystemen ausstattet, ist Skidata. Ursprünglich aus dem Skibereich kommend ist sie heute ein international führendes Unternehmen im Bereich Zutritts- und Zufahrtslösungen. In Skigebieten, aber auch in Stadien, Flughäfen, Einkaufszentren, Städten und Vergnügungsparks. Sales Director Car Access Austria Gerhard Margreiter erzählt, dass die Bezahlautomaten üblicherweise mit einer internen USV-Anlage (USV bedeutet „unterbrechungsfreie Stromversorgung“; USV-Anlagen werden eingesetzt, um bei Störungen im Stromnetz die Stromversorgung kritischer elektrischer Lasten sicherzustellen) ausgestattet sind, um kurze Stromausfälle zu überbrücken bzw. bei einem längeren Stromausfall das System kontrolliert herunterzufahren. Somit ist ein mehr oder weniger reibungsloser Betrieb möglich. Dennoch könnten die Bezahlvorgänge beeinträchtigt sein. Genauer: die Kreditkartenzahlung. Denn da wird vom Terminal der Kartenanbieter angefragt. Gibt’s keine Auskunft, weil die Bank ohne Strom dasteht oder die Kommunikation unterbrochen ist, wird die Zahlung abgelehnt. Barzahlungen sind aber noch möglich. Vorausgesetzt, die Garage verfügt über ein Notstromaggregat.

© MG Mediengruppe
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Harald Fleischer

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