Greenpeace analysiert klimafreundliche Joghurts

Der Bauernbund kontert in einer Reaktion den Argumenten der NGO und plädiert für mehr Unvoreingenommenheit.

17.03.2025 17:16
Redaktion
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Joghurt aus dem Supermarkt – eine schwierige Wahl

Pflanzliche Joghurts haben laut einem aktuellen Marktcheck von Greenpeace eine geringere Klimabelastung als jene aus Kuhmilch. Die NGO argumentiert, dass Varianten auf Soja- und Haferbasis nur ein Drittel des Treibhausgasausstoßes verursachen und zudem häufiger aus biologischer Landwirtschaft stammen. Gleichzeitig verweist Greenpeace darauf, dass diese Produkte bislang nicht in umweltfreundlichen Mehrweggläsern angeboten werden.

Die NGO forderte in diesem Zusammenhang: “Mehr Mehrweg-Gläser!” Im Mehrweg-Glas gebe es derzeit nur Kuhmilch-Joghurt. Platz eins beim Vergleich der Sortimente beim Marktcheck belegen Billa und Spar. “Für unsere Umwelt und das Klima ist ein Joghurt aus Soja oder Hafer eine deutlich bessere Wahl als eines aus Kuhmilch. Wer dabei auf Bio-Produkte setzt, trifft die nachhaltigste Entscheidung. Doch leider gibt es pflanzliche Joghurts nicht im umweltfreundlichen Mehrweg-Glas”, sagte Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace

Die CO₂-Bilanz allein reicht nicht aus

Die Bewertung von Greenpeace stützt sich primär auf den CO₂-Fußabdruck der Produkte. Dabei bleibt allerdings offen, inwiefern andere Umweltfaktoren in die Berechnungen einfließen. Die Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren Fortschritte bei der Reduktion von Emissionen gemacht, gleichzeitig gibt es berechtigte Debatten über den ökologischen Fußabdruck alternativer Rohstoffe. Mehr als die Hälfte der pflanzlichen Joghurts im Handel seien aus Soja, etwa je 20 Prozent aus Hafer und Kokos, der verbleibende Anteil aus Mandeln. Der ökologische Fußabdruck dieser Rohstoffe variiert erheblich: Während Hafer in vielen Fällen aus regionaler Produktion stammt, sind Kokos und Mandeln ein importiertes Produkt, das aus etwa wasserintensiven Anbaugebieten wie Kalifornien bezogen wird.

Mehrweg als Scheinlösung?

Ein weiteres Argument von Greenpeace betrifft die Verpackung. Während Kuhmilch-Joghurts inzwischen häufiger in Mehrweggläsern erhältlich sind, fehlen entsprechende Optionen für pflanzliche Produkte. Die Gründe dafür sind nicht eindeutig. Es könnte sich um technische Herausforderungen handeln, etwa Haltbarkeitsfragen oder logistische Anforderungen. Gleichzeitig zeigen Marktanalysen, dass Mehrwegverpackungen in vielen Produktkategorien rückläufig sind – eine Entwicklung, die möglicherweise auch wirtschaftliche Faktoren widerspiegelt.

Pflanzen vs. Milch

Der Bericht von Greenpeace stellt eine klare Handlungsanweisung in den Raum: Wer nachhaltiger konsumieren will, sollte pflanzliche Alternativen wählen. Kritik an dieser Darstellung kommt unter anderem vom Bauernbund, der darauf hinweist, dass eine differenziertere Betrachtung nötig sei. Die Debatte zeigt, wie komplex die Bewertung von Lebensmitteln in Bezug auf Nachhaltigkeit ist. Faktoren wie Bodenfruchtbarkeit, Transportwege, Wasserverbrauch und Produktionsbedingungen spielen eine ebenso große Rolle wie CO₂-Emissionen.

Der Bauernbund setzte sich in einer Reaktion “für einen ehrlichen, unvoreingenommenen Diskurs ein”: “Mit Milchbauern-Bashing ist niemandem geholfen. Bio und konventionell sollen ebenso nebeneinander existieren und voneinander profitieren, wie Tierhaltung und Ackerbau. Wir wünschen uns daher für die Zukunft ein Miteinander auf Augenhöhe, anstatt das Ausspielen einzelner Branchen untereinander“, betonte Bauernbund-Jugendsprecherin Viktoria Hutter.

Letztlich bleibt die Frage offen, wie umfassend Verbraucher über die gesamte Wertschöpfungskette von Lebensmitteln informiert werden. Die Greenpeace-Analyse hebt berechtigte Umweltaspekte hervor, der Bauernbund stellt einige davon in Frage.

(APA/red)

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