Modebranche entfernt sich von ihren Klimazielen
Die CO2-Emissionen der weltweiten Modeindustrie sind innerhalb von zwei Jahren um knapp 14 Prozent gestiegen.
Die Modeindustrie entfernt sich weiter von ihren Klimazielen. Der CO2-Ausstoß des weltweiten Bekleidungssektors ist 2024 um 6,3 Prozent gestiegen, nachdem die Emissionen bereits im Jahr davor um 7,5 Prozent zugenommen hatten. Das geht aus der aktuellen Auswertung des Apparel Impact Institute (AII) hervor. Damit sind die Emissionen innerhalb von zwei Jahren um knapp 14 Prozent gestiegen und lagen 2024 bei rund einer Milliarde Tonnen CO2.
Mehr Kleidung, mehr Polyester
Als Hauptgrund nennt das AII die steigende Menge an Fasern, die für die weltweite Bekleidungsproduktion benötigt wird. Besonders stark fällt dabei Polyester ins Gewicht. Die aus fossilen Rohstoffen hergestellte Faser machte 2023 bereits 57 Prozent der weltweiten Faserproduktion aus und ist damit das am häufigsten eingesetzte Material der Branche. Das Problem: Effizienzsteigerungen in der Produktion reichen offenbar nicht aus, um das Wachstum bei den Materialmengen auszugleichen. Nach Angaben des AII wird weiterhin mehr Kleidung produziert, während gleichzeitig der Einsatz von Polyester zunimmt. Neues Polyester ist dabei nach wie vor günstiger und leichter verfügbar als recyceltes Polyester. Das erschwert den Umstieg auf weniger emissionsintensive Materialien. Auch aktuelle Analysen zur europäischen Textilbranche zeigen, dass synthetische Fasern wie Polyester und Nylon aus fossilen Rohstoffen hergestellt werden und bei Produktion und Entsorgung zusätzliche Treibhausgasemissionen verursachen.
Fast Fashion verschärft das Problem
Ein Teil des Anstiegs hängt laut AII auch mit der zunehmenden Produktion von Ultra-Fast-Fashion zusammen. Bereits für 2023 machte das Institut die wachsende Bekleidungsproduktion und den stärkeren Einsatz von neuem Polyester für den deutlichen Emissionsanstieg verantwortlich. Damit entsteht ein grundlegendes Problem für die Klimaziele der Branche: Selbst wenn einzelne Produktionsschritte effizienter werden, können diese Einsparungen durch steigende Mengen wieder zunichtegemacht werden. Das AII hatte gemeinsam mit dem World Resources Institute bereits 2021 eine Strategie für die Branche veröffentlicht. Demnach müssten die Emissionen des Bekleidungssektors bis 2030 um 45 Prozent sinken, um auf einen mit dem 1,5-Grad-Ziel vereinbaren Pfad zu kommen. Die aktuellen Zahlen zeigen allerdings eine gegenläufige Entwicklung.
Auch Europa kämpft mit hohem Textilkonsum
Wie groß die Herausforderung ist, zeigt auch der Blick nach Europa. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur (EEA) stieg der Textilkonsum pro Kopf in der EU von durchschnittlich 17 Kilogramm im Jahr 2019 auf 19 Kilogramm im Jahr 2022. Davon entfielen acht Kilogramm auf Kleidung. Die Textilindustrie gehört damit zu den Bereichen mit besonders hohen Umwelt- und Klimabelastungen. 2022 verursachte der Konsum von Kleidung, Schuhen und Haushaltstextilien in der EU rund 159 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Etwa 70 Prozent dieser Emissionen entstanden außerhalb Europas, vor allem in Asien, wo ein großer Teil der Textilien produziert wird.
EU setzt auf längere Nutzung und Recycling
Die EU versucht deshalb, die Branche stärker in Richtung Kreislaufwirtschaft zu bewegen. Die Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien setzt unter anderem auf langlebigere Produkte, Wiederverwendung und Recycling. Die Umweltagentur sieht gerade in einer längeren Nutzung von Kleidung sowie mehr Wiederverwendung und Recycling Möglichkeiten, die Umwelt- und Klimabelastung zu reduzieren. Eine zentrale Herausforderung bleibt allerdings die Wirtschaftlichkeit. Recycelte Fasern sind bislang häufig teurer als neues Polyester. Damit bleibt die Branche trotz wachsender Recyclingmöglichkeiten stark von neu produzierten synthetischen Fasern abhängig. Der aktuelle AII-Bericht zeigt damit vor allem eines: Die Klimabelastung der Modeindustrie lässt sich nicht allein durch effizientere Fabriken reduzieren. Solange gleichzeitig immer größere Mengen an Kleidung und Fasern produziert werden, können die Einsparungen an anderer Stelle überkompensiert werden.
(APA/red)