Verbund kippt Fixpreise für Solarstrom-Einspeiser

Der Abnahmepreis des eingespeisten Stroms orientiert sich fortan an den Marktpreisen der europäischen Stromhandelsbörse EEX.

28.02.2025 12:45
Redaktion
© Josef M. Fallnhauser
VERBUND Vorstände: Achim Kaspar, Michael Strugl, Susanna Zapreva, Peter F. Kollmann.

Der teilstaatliche Energieversorger Verbund wird in den kommenden Monaten die Einspeiseverträge von rund 12.000 privaten Photovoltaik-Betreibern kündigen und auf sogenannte Floater-Verträge umstellen. Diese Änderung bedeutet für betroffene Kunden, dass sie künftig keine fixe Einspeisevergütung mehr erhalten, sondern dass sich der Abnahmepreis für ihren Strom monatlich an den Marktpreisen der europäischen Stromhandelsbörse EEX orientiert. Diese Entwicklung ist nicht neu – bereits in den letzten zwei Jahren haben mehrere Stromversorger in Österreich ihre Einspeisetarife auf flexible Modelle umgestellt.

Warum werden die Verträge gekündigt?

Laut einer Stellungnahme des Verbund sei der Boom der Solarenergie eine Herausforderung für den Strommarkt, insbesondere zur Mittagszeit und an sonnigen Tagen, wenn sehr viel Solarstrom produziert wird. Dies führt zu großen Preisschwankungen, die in Extremfällen sogar zu negativen Preisen führen können – das heißt, dass Einspeiser in manchen Situationen praktisch nichts oder sogar Geld dafür zahlen müssten, dass ihr Strom abgenommen wird.

Aufgrund einer “unsicheren rechtlichen Situation” sei es laut Verbund derzeit nicht möglich, bestehende Verträge einfach anzupassen – daher greift das Unternehmen zur Änderungskündigung. Konkret bedeutet das: Bestandskunden mit fixem Einspeisepreis erhalten per 1. April oder 1. Mai die Kündigung, mit dem Angebot, auf ein “Abnahme-Float-Produkt” umzusteigen. Die neuen Verträge ändern sich monatlich.

Starke Preisschwankungen für Einspeiser

Wie stark die Einspeisevergütung schwanken kann, zeigt ein Blick auf die Zahlen aus dem Jahr 2024:

  • Im April 2024 betrug die Vergütung nur 2,11 Cent/kWh.
  • Im Dezember 2024 dagegen lag sie bei 10,75 Cent/kWh.
  • Im Jänner 2025 zahlte der Verbund 10,64 Cent/kWh.

Diese Unterschiede zeigen, dass die Einspeiser künftig keine Planungssicherheit mehr haben, da ihre Vergütung von der aktuellen Marktsituation abhängt. Besonders im Sommer, wenn Photovoltaikanlagen die höchste Leistung erzielen, können niedrige bis sehr niedrige Preise erwartet werden – gerade dann, wenn viele Einspeiser ihren Strom verkaufen wollen.

Umspannwerk beim Gaskombikraftwerk Mellach, Kärnten
Umspannwerk beim Gaskombikraftwerk Mellach, Kärnten. | © Verbund

Was bedeutet das für betroffene Haushalte?

  • Keine Möglichkeit, die alten Verträge zu behalten: Die Umstellung erfolgt per Kündigung, sodass Kunden die neuen Konditionen akzeptieren müssen oder sich einen anderen Abnehmer für ihren Strom suchen müssen.
  • Volatile Einnahmen: Wer bisher mit einer fixen Einspeisevergütung kalkuliert hat, muss sich nun auf starke Schwankungen einstellen.
  • Mögliches Risiko durch niedrige Preise: Gerade in den sonnenstarken Monaten könnte die Vergütung so weit sinken, dass sich die Einspeisung wirtschaftlich kaum noch lohnt.
  • Langfristige Unsicherheit: Während die Marktpreise für Strom unberechenbar sind, bleibt unklar, ob sich durch eine staatliche oder regulatorische Maßnahme in Zukunft noch eine Alternative für private Einspeiser ergeben könnte.

Weniger Planungssicherheit für Einspeiser

Die Umstellung auf Floater-Verträge ist für Einspeiser mit einem erhöhten finanziellen Risiko verbunden. Da die Einspeisevergütung nicht mehr fix ist, sondern sich am Marktpreis orientiert, kann es insbesondere zu Zeiten hoher Stromproduktion zu sehr niedrigen Einspeisevergütungen kommen. Konsumenten haben keine Wahl, sondern müssen sich mit den neuen Bedingungen arrangieren oder eine andere Lösung für ihren überschüssigen Solarstrom finden. Diese Maßnahme betrifft nicht nur den Verbund, sondern auch andere österreichischen Energieversorger.

(PA/red)

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