Windkraft in Tirol erlebt einen Rückschlag

Der Widerstand der ansässigen Bevölkerung ist ein Grund für nicht eingelangte Anträge und fehlende Investitionen.

27.02.2025 16:19
Redaktion
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Simmering, Tirol

Die Zukunft der Windkraft in Tirol bleibt ungewiss. Während in anderen Bundesländern verstärkt auf Windenergie gesetzt wird, steht Tirols erste Windkraftanlage weiter in den Sternen. Laut einem aktuellen Bericht gibt es bislang keinen einzigen Antrag auf Genehmigung einer Anlage – und das trotz einer erklärten Strategie zur Energieautonomie bis 2050. Die geringen Erfolgsaussichten für größere Projekte und der Widerstand in der Bevölkerung stellen eine erhebliche Hürde für die Energiewende in der Region dar.

Wenig Potenzial, viele Hürden

Tirol ist aufgrund seiner geografischen und naturschutzrechtlichen Gegebenheiten kein klassisches Windkraftland. Eine Studie aus dem Jahr 2023 attestierte der Windkraft nur ein theoretisches Potenzial von rund fünf Prozent zur Deckung des Gesamtenergiebedarfs – das wären zwischen 800 und 1.200 Gigawattstunden. Doch selbst dieses Potenzial könnte in der Praxis kaum ausgeschöpft werden. “Erste Ergebnisse zeigen, dass man bei weitem nicht zu diesen fünf Prozent kommt”, erklärte Vize-Landesumweltanwalt Walter Tschon und verwies unter anderem auf Bedenken zum Vogelschutz.

Dazu kommt die ablehnende Haltung in der Bevölkerung. Die meisten geeigneten Standorte liegen im alpinen Raum, wo große Widerstände gegen Windparks bestehen. Immer wieder werden Projektideen aufgrund von Protesten oder fehlender Unterstützung vor Ort begraben. Ein prominentes Beispiel ist das Vorhaben auf der Simmeringalm in Obsteig: Dort stimmte die lokale Alpinteressentschaft mit großer Mehrheit gegen den Bau von vier geplanten Windrädern. Ähnlich erging es bereits Projekten in Osttirol und Ehrwald.

Windkraft bleibt Randerscheinung in Tirol

Selbst auf politischer Ebene gibt es kaum Anreize für Investoren. Obwohl die Landesregierung eine Förderung von 100.000 Euro für die Errichtung der ersten Anlage in Tirol ausgelobt hatte, blieb die Nachfrage aus. Kleinere Akteure wie der Seilbahnbetreiber und Ex-ÖVP-Abgeordnete Franz Hörl hatten sich an Windkraftprojekten versucht – und scheiterten letztlich.

„Ich glaube, es wird in Tirol vielleicht eine Einzelanlage kommen. Aber sicher kein Windpark mit sechs oder sieben Anlagen“, so Tschon. Die wenigen verbleibenden realistischen Standorte würden nur für Einzelanlagen in Frage kommen.

Ein verpasster Beitrag zur Energiewende?

Tirols Ziel der Energieautonomie bis 2050 steht damit vor einer Herausforderung. Während andere Bundesländer massiv in den Ausbau von Windenergie investieren, bleibt Tirol in diesem Bereich nahezu unberührt. Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler betont zwar, dass es „Potenzial für Windkraft in Tirol“ gebe, doch räumt er gleichzeitig ein, dass dieses „in einem überschaubaren Ausmaß“ liege.

Der Fokus liegt in Tirol somit weiterhin auf Wasserkraft und Photovoltaik. Doch gerade in Zeiten zunehmender Energiekrisen stellt sich die Frage, ob der Verzicht auf Windkraft eine verpasste Chance darstellt – und ob die Energiewende in Tirol ohne diesen Baustein tatsächlich gelingen kann.

(APA/red)

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