Neue Chancen durch Alzheimer-Bluttest
Die frühzeitige Diagnose, verbessert die Chancen auf wirksame Therapie und längeres Überleben.

Der Pharmakonzern Roche, gemeinsam mit Eli Lilly, hat unter dem Namen Elecsys pTau181 den ersten offiziell nach neuen EU-Regeln zugelassenen Alzheimer-Bluttest vorgestellt. Er trägt nun die CE-Kennzeichnung und ermöglicht es Ärzt:innen, Alzheimer mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschließen, indem ein bestimmtes Protein im Blut gemessen wird, das bei Alzheimer-Erkrankung oft erhöht vorkommt. Im Gegensatz zu bisherigen Verfahren wie PET-Scans oder Rückenmarkpunktionen bietet der neue Test eine einfache und deutlich weniger belastende Diagnosemöglichkeit. Gerade in der Hausarztpraxis kann er als erstes Abklärungstool eingesetzt werden – besonders bei Personen mit Gedächtnisproblemen oder familiärem Risiko.
Frühzeitige Diagnose als Schlüssel
In einer umfangreichen Studie mit rund 800 Teilnehmenden zeigte der Test eine hohe Genauigkeit – insbesondere zur Ausschlussdiagnostik. In über 90 % der Fälle, in denen der Bluttest negativ ausfiel, konnte Alzheimer ausgeschlossen werden. Das ermöglicht nicht nur gezieltere weitere Abklärungen, sondern eröffnet auch einen früheren Zugang zu innovativen Behandlungsoptionen. Dieser Zeitgewinn ist entscheidend: Neue Antikörpertherapien wie Lecanemab oder Donanemab, die gegen krankhafte Proteinablagerungen im Gehirn wirken, zeigen nur im frühen Stadium der Erkrankung klinischen Nutzen. Eine späte Diagnose kann daher wertvolle Monate kosten, die bei früher Intervention die Lebenszeit und -qualität verlängern könnten.
Fortschritte auch in Österreich
In Österreich bietet labors.at exklusiv einen weiteren CE-zertifizierten Bluttest an, der Beta-Amyloid im Blut misst (Aβ42/Aβ40). Diese Eiweißablagerungen sind ein weiterer früher Hinweis auf Alzheimer und können schon Jahrzehnte vor Symptombeginn auftreten. Die diagnostische Genauigkeit liegt bei über 95 %. Die Blutproben werden in lokalen Praxen entnommen, tiefgekühlt nach Wien geschickt und dort analysiert. Die Ergebnisse liegen rasch vor – die Kosten betragen etwa 175 €, da es sich um eine Privatleistung handelt.
Früherkennung kann Leben verlängern
Früherkennung galt bei Alzheimer lange als schwierig und teuer. Die neuen Bluttests durchbrechen diese Hürde. Indem sie frühzeitig Hinweise auf die Krankheit geben, schaffen sie ein Zeitfenster für medizinische und therapeutische Intervention – bevor die kognitiven Schäden irreversibel sind. Auch wenn Alzheimer derzeit nicht heilbar ist, wächst mit jedem Monat früherer Diagnose die Chance auf ein längeres, selbstbestimmteres Leben. In einer Zeit, in der erste Medikamente verfügbar sind, wird eine präzise und frühe Diagnose zum entscheidenden Faktor – nicht nur für Betroffene, sondern auch aus gesundheitspolitischer Sicht.
(red)