Wie Bauchfett unser Herz altern lässt

Viszerales Bauchfett ist unsichtbar, aber hochaktiv – und kann das Herz-Kreislauf-System schneller altern lassen.

29.08.2025 14:52
red04
© Adobe Stock
Das in der Bauchhöhle versteckte Fett kann das Herz schneller altern lassen.

Bauchfett ist nicht gleich Bauchfett. Während das direkt unter der Haut liegende Fettgewebe (subkutanes Fett) in erster Linie ästhetisch wahrgenommen wird, birgt das tief im Bauchraum eingelagerte viszerale Fett ein deutlich größeres Gesundheitsrisiko. Es umgibt lebenswichtige Organe wie Leber, Darm und Bauchspeicheldrüse – und ist deutlich aktiver als anderes Fettgewebe. Dieses sogenannte „Organfett“ setzt entzündungsfördernde Stoffe frei, beeinflusst den Hormonhaushalt und kann langfristig zu chronischen Erkrankungen führen. Es ist also nicht nur ein stiller Begleiter, sondern ein biologisch hochaktiver Risikofaktor.

Herzalter statt Zahl auf der Waage

Eine aktuelle Studie aus Großbritannien hat nun eindrucksvoll gezeigt: Je mehr viszerales Fett ein Mensch trägt, desto stärker altert sein Herz-Kreislauf-System. Forschende des Medical Research Council analysierten mithilfe von MRT-Aufnahmen und KI-gestützter Auswertung über 20.000 Herzbilder. Das Ergebnis: Menschen mit hohem Anteil an viszeralem Fett wiesen ein deutlich älteres „Herzalter“ auf als ihr biologisches Alter vermuten ließ – selbst dann, wenn sie äußerlich gesund oder schlank wirkten. Ein entscheidender Punkt: Viszerales Fett lässt sich nicht allein über das Körpergewicht oder den BMI erkennen. Auch schlanke Menschen können es in gefährlichen Mengen mit sich tragen – unbemerkt. Deshalb empfehlen Experten eine regelmäßige Messung des Taillenumfangs oder andere Methoden wie Bioimpedanz oder bildgebende Verfahren, um ein realistisches Bild zu bekommen.

Apfel- und Birnentyp

Besonders betroffen sind Menschen mit sogenannter „Apfelfigur“ – also Fettansammlungen vor allem im Bauchraum. Männer neigen häufiger zu dieser Form der Fettverteilung. Frauen, deren Körper Fett eher an Hüften und Oberschenkeln speichert („Birnentyp“), haben laut Studien ein etwas geringeres Risiko – vor allem vor den Wechseljahren. Hormonelle Unterschiede, insbesondere der Einfluss von Östrogen, könnten hierbei eine Rolle spielen. Diese Körperform könnte laut der Studie die Herzalterung sogar verlangsamen.

Chronische Entzündungen als stille Begleiter

Viszerales Fett ist keine passive Reserve. Es beeinflusst aktiv den Stoffwechsel, kann Insulinresistenz, erhöhte Blutzuckerwerte, Bluthochdruck und sogar Entzündungsprozesse im Körper fördern. Damit steigt nicht nur das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall, sondern auch für Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes. Die gute Nachricht: Viszerales Fett ist beeinflussbar – und zwar unabhängig von rigiden Diäten oder Schönheitsidealen. Studien zeigen, dass regelmäßige Bewegung, insbesondere eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining, besonders effektiv ist. Auch die Ernährung spielt eine zentrale Rolle: Die sogenannte grüne Mittelmeer-Diät, die reich an Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Olivenöl und grünem Tee ist, kann das Organfett deutlich reduzieren – in Studien um bis zu 14 % innerhalb von 18 Monaten.

Wissen schützt

Viszerales Fett ist ein ernstzunehmender Gesundheitsfaktor, aber keiner, der Angst machen oder zu Stigmatisierung führen muss. Wer gut informiert ist, kann gezielt handeln – mit Bewegung, ausgewogener Ernährung und einem achtsamen Blick auf den eigenen Lebensstil. Der Schlüssel liegt nicht in Kontrolle, sondern in Selbstfürsorge.

(red)

Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Themen