Das drittwärmste Jahr fühlte sich recht normal an
Warum ein Unterschied von 0,01 Grad nach wenig klingt und trotzdem den Klimawandel bestätigt.
2025 war das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen – nur 0,01 Grad kühler als das zweitplatzierte Jahr 2023. Eine Zahl, die so klein ist, dass man sie im Alltag nicht einmal beim Thermometer-Ablesen wahrnehmen würde. Und doch reicht sie als Headline für ein globales Ranking.
Die Durchschnittstemperatur lag demnach bei 14,97 Grad, während 2024 weiterhin als wärmstes Jahr geführt wird. Zugleich waren die vergangenen elf Jahre die elf wärmsten der Messgeschichte.
Wenn Hundertstel zu Schlagzeilen werden
Gemessen wird das alles korrekt und mit enormem Aufwand. Das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus wertet Satellitendaten, Ozeanmessungen, Wetterstationen und Klimamodelle aus. Das ist Wissenschaft auf hohem Niveau.
„2025 war nur geringfügig kühler als 2023, und 2024 bleibt das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen“, erklärte Samantha Burgess, Vize-Direktorin des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus, zur Veröffentlichung der „Global Climate Highlights“ gegenüber dem ORF.
Schwierig wird es dort, wo minimale Abweichungen im Hundertstelbereich als Rangfolge dargestellt werden und dadurch Unterschiede suggeriert werden, die sich im Alltag weder messen noch spüren lassen. Und wenn aus minimalen Abweichungen große Begriffe entstehen: wärmstes, zweitwärmstes, drittwärmstes. Für das menschliche Empfinden klingt das nach klaren Abstufungen – nach spürbaren Unterschieden.
Ein weiterer Punkt, der schwer nachvollziehbar erscheint: Die Vergleichswerte reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück – aus einer Zeit, in der weder Satelliten noch globale Messnetze existierten. Die Temperaturen von damals werden heute mithilfe moderner Modelle rückgerechnet. Das ist wissenschaftlich legitim und gängige Praxis und erklärt, warum Rankings auf die Kommastelle genau an die Öffentlichkeit kommuniziert werden.
Während global gerechnet wird, erleben Menschen ihr Wetter lokal. In Österreich war 2025 für viele eher ein kühles Jahr – kein Hitzesommer, kein zu milder Winter, weder zu trocken, noch zu nass. Das widerspricht den globalen Mittelwerten nicht, macht sie aber erklärungsbedürftig.
Zahlen entdramatisiert
Klima ist Statistik. Wetter ist Erfahrung. Beides darf man auseinanderhalten, ohne das eine gegen das andere auszuspielen. Der Klimawandel verschwindet nicht, nur weil 0,01 Grad absurd klein wirken. Der langfristige Trend ist eindeutig, die vergangenen Jahre liegen insgesamt deutlich höher als frühere Jahrzehnte. Das ist die eigentliche Nachricht.
Und wer darüber schmunzelt, weil ein Hundertstelgrad zur Schlagzeile wird, leugnet damit nicht den Klimawandel – sondern behält einfach den gesunden Menschenverstand.
(red)
