Kalte Wienerstadt fordert Todesopfer

Zwei tragische Todesfälle erinnern daran, wie wichtig Aufmerksamkeit und rasches Handeln im Winter sind.

15.01.2026 9:33
Redaktion
© Caritas Wien

Die Nachricht über den Tod zweier obdachloser Männer in Wien macht betroffen. Beide starben in den vergangenen Tagen infolge der tiefen Temperaturen. Bestätigt wurden die Fälle von der Caritas Wien, die zugleich auf die laufende Winternothilfe und die Arbeit der Streetworker-Teams verweist.

Viel Engagement, hohe Belastung

Die Wiener Winterhilfe basiert auf einem breiten Netzwerk aus Stadt, Sozialorganisationen und ehrenamtlichem Engagement. Streetworker sind bei extremen Temperaturen täglich und nächtlich im Einsatz, reagieren auf Hinweise aus der Bevölkerung, versuchen Kontakt aufzunehmen, Vertrauen aufzubauen und Menschen in Notquartiere zu bringen. Das Kältetelefon verzeichnete zuletzt mehrere Hundert Anrufe pro Tag – ein Hinweis darauf, wie angespannt die Situation in Kälteperioden ist.

Hinsehen statt vorbeigehen

Viele Hilfseinsätze starten mit einem Anruf aus der Bevölkerung. Menschen, die im Park, in Hauseingängen oder unter Brücken schlafen, werden oft zuerst von Passanten wahrgenommen. Ein kurzer Anruf kann genügen, um Streetworker zu alarmieren, die die Situation einschätzen und Hilfe anbieten.

Das Wiener Kältetelefon ist rund um die Uhr erreichbar und dient genau diesem Zweck. Es geht nicht darum, Verantwortung abzuschieben, sondern sie zu teilen. Niemand muss selbst entscheiden, ob jemand „wirklich Hilfe braucht“ – das übernehmen geschulte Teams.

Niederschwellige Hilfe nutzen

Neben dem Kältetelefon steht auch die Kälte-App der Stadt Wien zur Verfügung. Hinweise können anonym abgegeben werden, der Standort wird übermittelt, mobile Sozialarbeit reagiert. Gerade nachts oder bei Minusgraden ist Zeit ein entscheidender Faktor.

Wichtig ist auch: Hilfe anstoßen heißt nicht zwangsläufig, dass jemand sofort in ein Notquartier gebracht wird. Oft geht es zunächst um Kontakt, um ein Gespräch, um Vertrauen. Manche Menschen lehnen Angebote ab, andere nehmen sie erst nach mehreren Anläufen an. Kontinuität ist Teil dieses Systems.

Unterstützung zeigen – auch indirekt

Zivilgesellschaftliches Engagement endet nicht beim Melden. Spenden, ehrenamtliche Mitarbeit oder das Weitergeben von Informationen im eigenen Umfeld tragen dazu bei, dass Angebote bekannt bleiben. Viele wissen nicht, dass es rund um die Uhr erreichbare Stellen gibt – gerade bei plötzlichen Kälteeinbrüchen.

Die Winterhilfe der Stadt Wien, koordiniert vom Fonds Soziales Wien, baut auf diesem Zusammenspiel aus Organisationen, Profis und Aufmerksamkeit im Alltag auf.

Ein stiller Auftrag zum Schluss

Die aktuellen Todesfälle machen aber deutlich, wie fragil Situationen werden können, wenn extreme Kälte auf individuelle Lebenslagen trifft. Programme, Plätze und Teams sind ein Fundament – doch sie entfalten ihre Wirkung oft erst dann vollständig, wenn Hinweise rechtzeitig ankommen.

Wichtige Kontakte:
Kältetelefon Wien: 01 480 45 53 (0–24 Uhr)
Kälte-App Wien: kostenlos für Hinweise auf Menschen in Kältenot

(red)

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