Rechenzentren bremsen die Energiewende

Trotz rasanten Ausbaus von Wind- und Solarenergie wächst der weltweite Strombedarf schneller als die erneuerbaren Kapazitäten.

21.01.2026 10:08
red04
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Im Jahr 2024 machten Rechenzentren etwa 1,5 % des weltweiten Stromverbrauchs aus.

Trotz eines schnellen Ausbaus von Wind- und Solarenergie reicht der weltweite Zuwachs an erneuerbarer Stromproduktion nicht aus, um den stark gestiegenen Energiebedarf zu decken. Das zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, die im Fachjournal Nature Reviews Clean Technology veröffentlicht wurden.

Erneuerbare Quellen wachsen

Nach Angaben der Analyse ist die globale Erzeugung aus erneuerbaren Quellen inzwischen auf etwa 3.550 Terawattstunden pro Jahr angewachsen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 konnten Wind- und Solarenergie erstmals mehr erzeugen als der weltweite Strombedarf in diesem Zeitraum gestiegen ist. Dennoch bleibt der Energiesektor insgesamt ein bedeutender CO₂-Emitter: Seit 2015 ist der Ausstoß um rund 1,8 Gigatonnen gestiegen. Der Grund dafür liegt in einem zusätzlichen globalen Verbrauch von etwa 6.930 TWh, den der Ausbau der Erneuerbaren bisher nicht vollständig ausgleichen konnte.

Neue Anwendungen mit hohem Energiebedarf

Ein wesentlicher Faktor für den gestiegenen Stromverbrauch sei laut der Untersuchung der zunehmende Einsatz datenintensiver Technologien – allen voran Anwendungen der künstlichen Intelligenz (KI). Die dafür erforderlichen Rechenzentren und Kühlanlagen haben den globalen Verbrauch deutlich erhöht. Im Jahr 2024 machten Rechenzentren rund 415 TWh aus, was etwa 1,5 % des weltweiten Stromverbrauchs entspricht. Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) sehen einen weiteren starken Anstieg bis 2030 voraus. Neben digitalen Infrastrukturen tragen auch steigende Anforderungen an Gebäudekühlung infolge höherer Temperaturen sowie der wachsende Anteil elektrisch betriebener Fahrzeuge zum Mehrbedarf bei. Zudem beeinflusst der Trend zu größeren Fahrzeugen im Individualverkehr den Energieverbrauch zusätzlich.

Solarenergie legt kräftig zu

Ein Hoffnungsschimmer ist das starke Wachstum der Solarproduktion: Im vergangenen Jahr stieg die erzeugte Solarenergie um etwa 31 % im Vergleich zum Vorjahr – ein Rekordwert. In Kombination mit einem moderateren Zuwachs bei der Windkraft konnte damit erstmals mehr als der gesamte globale Strombedarf in dem Zeitraum gedeckt werden, für den Daten vorliegen.

EU im positiven Beispiel

Im Gegensatz zum globalen Trend ist der Energiebedarf in der Europäischen Union seit 2008 gesunken – trotz Wirtschaftswachstum. Laut Analyse konnte der Verbrauch um rund zehn Prozent reduziert werden, während die Wirtschaftsleistung um etwa 24 % zunahm. Parallel dazu wurde die Kapazität für Wind- und Solarstrom deutlich ausgebaut. Dieser Mix habe dazu beigetragen, fossile Energiequellen zu ersetzen und die Emissionen im EU-Energiesektor um rund 600 Megatonnen gesenkt.

(red)

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