Verborgene Strukturen unter Antarktis entdeckt

Die neuen Karten des antarktischen Untergrunds helfen, Eisbewegung, Ozeanzirkulation und zukünftigen Meeresspiegelanstieg besser zu verstehen.

21.01.2026 12:26
red04
© Adobe Stock
Die neuen Karten zeigen mehr als 30.000 Hügel, Gebirgszüge, tiefe Täler und lange Kanäle, die bislang unbekannt waren.

Antarktika ist die größte Eiswüste der Erde. Unter mehreren Kilometern Eis verbirgt sich eine Welt, die bisher nur schwer zugänglich war. Wissenschaftler haben nun erstmals eine detaillierte Karte der Landschaft unter dem Eisschild erstellt. Sie zeigt Berge, Täler und Canyons, die das Verständnis von Eisbewegung, Ozeanzirkulation und Klimaveränderungen verändern könnten.

Verborgene Topografie

Der antarktische Eisschild ist teilweise mehrere Kilometer dick und verdeckt ein komplexes Gelände. Mithilfe hochauflösender Satellitendaten und physikalischer Modelle konnten Forscher erstmals die genaue Form des Untergrunds abbilden. Die neuen Karten zeigen mehr als 30.000 Hügel, Gebirgszüge, tiefe Täler und lange Kanäle, die bislang unbekannt waren. Die Formen erinnern an Landschaften in Nordkanada oder Schottland und zeigen, dass die antarktische Topografie wesentlich vielfältiger ist als bisher angenommen.

Unterwassercanyons entdeckt

Entlang der Kontinentalkante wurden 332 submarine Canyons kartiert, von denen einige mehr als 4.000 Meter tief sind. Diese Strukturen verbinden Küstenbereiche mit der Tiefsee und sind fünfmal so zahlreich wie zuvor bekannte Canyons. Die Canyons beeinflussen die Bewegung von Sedimenten und Nährstoffen und spielen eine wichtige Rolle bei der thermohalinen Zirkulation, einem globalen System, das Wärme, Salz und Energie in den Ozeanen transportiert.

Einfluss auf Eisbewegung und Ozeane

Die Topografie unter dem Eis steuert direkt die Geschwindigkeit, mit der das Eis fließt. Berge bremsen das Eis, tiefe Täler und Kanäle können die Bewegung beschleunigen. Diese Strukturen ermöglichen zudem warmen Ozeanströmungen den Zugang unter Schelfeis, wodurch von unten Eis abschmilzt. Die neuen Karten erlauben eine genauere Modellierung der Eisbewegung und verbessern Prognosen über den Meeresspiegelanstieg.

Fenster in die Erdgeschichte

Viele der unter dem Eis entdeckten Landschaftsformen sind älter als der heutige Eisschild. Sie dokumentieren eine Zeit, in der das antarktische Festland eisfrei war und von Flüssen geformt wurde. Damit liefern sie nicht nur aktuelle Klimainformationen, sondern auch geologische Einblicke in die Erdgeschichte.

Einfluss auf das globale Klimasystem

Die Entdeckungen unter dem antarktischen Eis sind nicht nur für die Wissenschaft von Interesse, sondern haben direkte Auswirkungen auf den Planeten. Sie helfen, die Stabilität des Eisschildes besser einzuschätzen, was wiederum entscheidend für den globalen Meeresspiegel und das Klima ist. Die Ergebnisse zeigen, wie eng die polaren Regionen mit den Ozeanen und dem Wettergeschehen auf der ganzen Welt verbunden sind. Veränderungen in der Antarktis können daher langfristig unser aller Leben beeinflussen.

(red)

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