Wenn Geräte heimlich Strom ziehen
Unsichtbare Stromfresser im Standby-Modus treiben den Verbrauch vieler Haushalte über Monate unbemerkt in die Höhe.
Wenn vom Stromsparen die Rede ist, geht es meist um effiziente Waschmaschinen, LED-Leuchten oder neue Heizsysteme. Doch ein erheblicher Teil des privaten Stromverbrauchs entsteht dort, wo kaum jemand hinschaut: bei Geräten, die scheinbar ausgeschaltet sind oder gerade nicht genutzt werden. Fernseher, Router, Kaffeemaschinen oder Computer bleiben im Standby-Modus aktiv, halten Verbindungen aufrecht oder versorgen Displays und Steuerungen mit Energie. Der einzelne Verbrauch wirkt gering, doch über Wochen und Monate summiert er sich.
Standby ist selten wirklich aus
Viele moderne Geräte lassen sich faktisch nicht vollständig abschalten. Stattdessen wechseln sie in einen Bereitschaftszustand, der schnelles Hochfahren, automatische Updates oder Fernsteuerung ermöglicht. Besonders im Bereich Unterhaltungselektronik ist dieser Modus weit verbreitet. Fernseher, Streaming-Boxen oder Spielekonsolen kommunizieren auch im Ruhezustand mit dem Internet. Selbst wenige Watt Dauerleistung reichen aus, um über ein Jahr hinweg spürbare Strommengen zu verursachen.
Dauerläufer im digitalen Haushalt
Mit der zunehmenden Vernetzung von Haushalten wächst auch der Grundverbrauch. Router und WLAN-Verstärker laufen rund um die Uhr, oft ohne Unterbrechung über Jahre hinweg. Hinzu kommen Smart-Home-Komponenten wie Sprachassistenten, smarte Steckdosen oder Sensoren, die permanent auf Signale warten. Jeder einzelne Verbraucher fällt kaum ins Gewicht, gemeinsam bilden sie jedoch eine konstante Grundlast, die unabhängig vom tatsächlichen Nutzungsverhalten anfällt.
Küchengeräte mit verstecktem Bedarf
Auch in der Küche gibt es Geräte, die selbst im Ruhezustand Strom benötigen. Digitale Anzeigen, Uhren oder Sensortasten werden dauerhaft mit Energie versorgt. Kaffeemaschinen, Mikrowellen oder Backöfen mit Display verbrauchen zwar wenig, sind aber oft 24 Stunden am Netz. Gerade in Haushalten mit vielen elektrischen Geräten entsteht so ein Verbrauch, der im Alltag kaum wahrgenommen wird, sich aber auf der Stromrechnung bemerkbar macht.
Kleine Leistungen, große Wirkung
Der entscheidende Faktor ist die Zeit. Ein Gerät, das dauerhaft zehn oder fünfzehn Watt verbraucht, fällt im Moment nicht auf. Läuft es jedoch das ganze Jahr hindurch, kommen schnell über hundert Kilowattstunden zusammen. Bei heutigen Strompreisen entspricht das Kosten im zweistelligen Eurobereich – pro Gerät. In Haushalten mit mehreren Dauerverbrauchern kann so ein erheblicher Anteil des Jahresstromverbrauchs allein durch Standby- und Bereitschaftsbetrieb entstehen.
Oft übersehenes Problem
Unsichtbare Stromfresser bleiben vor allem deshalb unbeachtet, weil sie keinen direkten Nutzen signalisieren. Sie sind leise, entwickeln kaum Wärme und funktionieren scheinbar „nebenbei“. Zudem suggeriert der Begriff Standby einen minimalen Energiebedarf, der in vielen Fällen höher ist als erwartet. Erst Messungen mit einfachen Stromverbrauchszählern zeigen, wie konstant und dauerhaft diese Geräte Energie beziehen. Während große Effizienzmaßnahmen jedoch oft Investitionen erfordern, liegt bei den unsichtbaren Stromfressern ein vergleichsweise einfacher Hebel. Wer den Grundverbrauch seines Haushalts kennt, kann gezielt entscheiden, welche Geräte wirklich permanent in Betrieb sein müssen – und welche nur aus Bequemlichkeit durchlaufen. In Zeiten steigender Energiepreise rückt damit ein Bereich in den Fokus, der lange als vernachlässigbar galt, tatsächlich aber einen messbaren Unterschied machen kann.
(red)
