Periodenprodukte zwischen Grundbedürfnis und Markt

Die Steuerbefreiung für Tampons, Binden und Slipeinlagen soll einen Schritt zur Gleichstellung von Menstruierenden darstellen und deren Grundbedürfnisse besser abdecken.

23.01.2026 14:29
red04
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Produkte für die Menstruation sind lebensnotwendig, und steuerliche Belastungen treffen Menschen mit niedrigem Einkommen besonders hart.

Seit 1. Jänner 2026 sind Tampons, Binden und Slipeinlagen in Österreich von der Umsatzsteuer befreit. Die Maßnahme ist mehr als eine steuerliche Erleichterung: Sie soll die finanzielle Belastung für Menstruierende reduzieren und einen Schritt in Richtung Gleichstellung markieren. Produkte, die zur Grundversorgung gehören, sollen nicht zusätzlich besteuert werden – ein Schritt, der in vielen Ländern längst diskutiert wird.

Preiswirkungen und Marktmechanismen

Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat die Preisentwicklung bei Damenhygieneprodukten bereits seit Februar 2025 beobachtet. Die Ergebnisse zeigen ein gemischtes Bild: Während Händler wie Spar, DM und Müller die Steuersenkung weitgehend an die Kunden weitergegeben haben, gab es bei Märkten der Rewe-Gruppe teilweise gegensätzliche Bewegungen. Preise wurden kurzzeitig erhöht oder nur im Rahmen von Aktionen gesenkt, bevor sie wieder stiegen. Hofer konnte aufgrund von Sortimentänderungen keinen Vergleich liefern. Die Beobachtungen verdeutlichen ein grundsätzliches Problem: Eine Steuerbefreiung allein garantiert nicht, dass die Vorteile bei den Verbrauchern ankommen. Deshalb fordern Experten und Verbraucherschützer stärkere Eingriffsmöglichkeiten und Sanktionen für die Bundeswettbewerbsbehörde, um sicherzustellen, dass steuerliche Vorteile nicht abgeschöpft werden.

Globale Perspektive auf „Period Poverty“

Österreich ist mit dieser Maßnahme Teil einer globalen Bewegung. Länder wie Kanada, Irland oder Schottland haben ähnliche Schritte umgesetzt, manche gehen sogar weiter und stellen Menstruationsprodukte kostenlos über öffentliche Gesundheitssysteme zur Verfügung. In den USA haben mehrere Bundesstaaten die sogenannte „Tampon Tax“ abgeschafft oder reduziert. Der Hintergrund ist überall derselbe: Produkte für die Menstruation sind lebensnotwendig, und steuerliche Belastungen treffen Menschen mit niedrigem Einkommen besonders hart. Studien zeigen, dass Menstruierende einen überproportional hohen Anteil ihres Budgets für Hygieneprodukte ausgeben. Steuerbefreiungen sind daher ein konkreter Schritt gegen soziale Ungleichheit – nicht nur ein symbolischer Akt.

Strukturelle Benachteiligung

Die wachsende Erkenntnis, dass Menstruationsprodukte keine Luxusartikel sind, sondern ein grundlegendes Bedürfnis abdecken, lenkt den Blick auf eine tieferliegende Ungleichheit. Menschen, die menstruieren, sind allein aufgrund biologischer Gegebenheiten regelmäßig auf bestimmte Produkte angewiesen. Diese Notwendigkeit führt zu laufenden Kosten, die nicht vermeidbar sind und die andere Bevölkerungsgruppen nicht tragen müssen. Menstruation ist kein Ausnahmezustand, sondern ein wiederkehrender Bestandteil des Alltags – dennoch wird sie in vielen Bereichen weiterhin als individuelle Angelegenheit behandelt, obwohl sie strukturelle Auswirkungen hat. Die Auseinandersetzung mit der sogenannten „Tampon Tax“ macht diese Diskrepanz sichtbar: Sie verweist weniger auf einzelne steuerpolitische Maßnahmen als auf die grundsätzliche Frage, wie Gesellschaften mit biologisch bedingten Unterschieden umgehen und ob unvermeidbare Bedürfnisse gleichwertig berücksichtigt werden.

(red)

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