Gutes Gold: Fairtrade oder Old Stock?

Wem die Goldpreise noch nicht hoch genug sind, kann freiwillig mehr drauf zahlen.

23.01.2026 15:24
Redaktion
© Adobe
Fairtrade Goldringe

Gold ist teuer wie selten zuvor. Und dennoch wächst ein Marktsegment, das nicht nach dem günstigsten, sondern nach dem „richtigen“ Gold sucht. Fairtrade-Gold, recyceltes Altgold oder bewusst ausgewählte Nuggets aus Nordamerika gelten als Alternativen zum klassischen Minengold. Was sie verbindet: Sie sind knapp, haben Geschichte – und sind meist teurer.

Fairtrade-Gold

Fairtrade-Gold stammt aus zertifizierten Minenorganisationen, vor allem in Peru. Diese sind kooperativ aufgebaut und bündeln zahlreiche kleinräumige Abbaustellen, häufig in schwer zugänglichen Regionen. Gefördert wird überwiegend untertage, arbeitsintensiv und mit vergleichsweise geringer Ausbeute pro Kopf. Der Abbau selbst ist kleinteilig, die Infrastruktur dagegen oft zentral organisiert: Aufbereitungsanlagen, Brecher und Fördertechnik bündeln das Erz aus vielen kleinen Schächten.

Ökonomisch bleibt Fairtrade-Gold ein Nischenprodukt. Weltweit werden nur rund eine Tonne pro Jahr umgesetzt, in Österreich liegt der Absatz bei etwa einem Kilogramm jährlich – vor allem in Form von Eheringen. Der von Fairtrade garantierte Mindestpreis für Produzenten orientiert sich am internationalen Goldkurs und liegt garantiert bei mindestens 95 Prozent des Referenzwerts. Hinzu kommt eine fixe Prämie pro Kilogramm, die nicht als Einkommen ausbezahlt wird, sondern in Gemeinschaftsprojekte, Sicherheitsmaßnahmen und Umweltauflagen fließt – also nicht direkt bei den Arbeiterinnen und Arbeitern ankommt.

Fairtrade macht Goldabbau damit nicht lukrativ, aber berechenbarer. Wer sich dafür entscheidet, zahlt nicht für mehr Gold, sondern für eine andere Form der Organisation.

Recyceltes Gold

Eine zweite Option ist sogenanntes recyceltes Gold – eingeschmolzene Schmuckstücke, Altbestände aus der Industrie oder Lagergold aus früheren Jahrzehnten. Chemisch unterscheidet es sich nicht von neu gefördertem Gold. Der ökologische Vorteil liegt ausschließlich darin, dass kein neuer Abbau erfolgt.

Recyceltes Gold wird allerdings kaum aktiv vermarktet. Preislich gilt in der Regel der ganz normale Tageskurs, ohne Zuschläge oder moralische Prämien. Der Mehrwert liegt weniger im Marketing als in der stillen Entscheidung gegen neuen Rohstoffabbau.

Nuggets

Ein dritter Trend richtet sich weniger an Nachhaltigkeitsargumente als an Herkunft und Materialität. Einige Manufakturen setzen gezielt auf naturbelassene Goldnuggets aus Nordamerika, häufig aus kleinen, regulierten Förderbetrieben in Kanada oder Alaska. Die Nuggets werden nicht eingeschmolzen, sondern direkt in den Schmuck integriert oder nur minimal verarbeitet.

Es gibt auch Kunden, die ein einzelnes großes Goldnugget einschmelzen lassen, um ein homogenes Gold-Schmuckstück zu erhalten. Der Preis ergibt sich weniger aus dem reinen Goldwert als aus der Seltenheit und der Geschichte des Materials.

Mehr bezahlen als Statement

Allen drei Varianten ist eines gemeinsam: Sie sind freiwillig teurer. Nicht, weil das Gold besser wäre, sondern weil der Kontext zählt. Fairtrade, Recycling oder Herkunftsnarrativ ersetzen keine physikalischen Eigenschaften – sie ersetzen eine Haltung.

In Zeiten historisch hoher Goldpreise ist das eine bemerkenswerte Entwicklung. Während der Markt nach Effizienz strebt, wächst parallel ein Segment, das bewusst auf Knappheit, Organisation oder Geschichte setzt. Gutes Gold ist damit weniger eine Frage der Reinheit als der Erzählung. Wer heute Gold kauft, zahlt nicht nur für das Metall – sondern dafür, wie es in Umlauf gekommen ist.

(APA/red)

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