Einwegpfand bremst Plastikflaschen
Das Einwegpfand verändert das Kaufverhalten spürbar und drückt erstmals den Absatz von Plastikflaschen.
Mit dem Start des Einwegpfandsystems zeigt sich ein Effekt, der über höhere Recyclingquoten hinausgeht: Konsumenten kaufen weniger Einwegplastik. Das bestätigt auch die Bilanz von PET to PET Recycling Österreich GmbH mit Sitz im burgenländischen Müllendorf. Das Unternehmen recycelte 2025 rund 1,34 Milliarden PET-Flaschen – so viele wie noch nie. Gleichzeitig ging die Menge der verarbeiteten Flaschen im zweiten Halbjahr deutlich zurück.
Pfand wirkt – aber anders als erwartet
Zu Jahresbeginn sorgte das neue Pfandsystem zunächst für einen starken Anstieg der Rücklaufmengen. Viele Konsumenten gaben gelagerte Flaschen zurück oder stellten ihr Entsorgungsverhalten um. Doch dieser Effekt flaute rasch ab. Geschäftsführer Christian Strasser spricht von einer Kaufzurückhaltung, die sich nach der Einführung von Pfandsystemen auch in anderen EU-Ländern beobachten ließ.
Der Befund ist bemerkenswert: Das Pfand sorgt nicht nur dafür, dass Flaschen zurückgebracht werden – es reduziert offenbar den Kauf von Einweggetränken insgesamt. Wer Pfand zahlt, greift seltener zur Plastikflasche. Für Umwelt- und Abfallbilanz ist das ein gewünschter Nebeneffekt, für Recycler aber eine neue Realität.
Recycling wächst
Trotz der Delle im zweiten Halbjahr stieg die recycelte Menge im Jahresvergleich um rund sieben Prozent auf 33.675 Tonnen. Der Bottle-to-Bottle-Kreislauf funktioniert also technisch gut. Wirtschaftlich bleibt die Lage angespannt. Preisunterschiede zwischen Neuplastik und Recyclingmaterial führen dazu, dass Hersteller in Europa wieder vermehrt auf billigere Primärware ausweichen.
Zusätzlich belasten Billigimporte von Sekundärrohstoffen aus Nicht-EU-Ländern den Markt. Der Absatz von PET-Recyclat blieb 2025 rund drei Prozent unter dem Vorjahreswert, was zeitweise zu Lageraufbau führte. Für 2026 erwartet das Unternehmen dennoch eine Erholung der Nachfrage.
Automatisierung als Antwort
Die Umstellung von Gelbem Sack, Gelber Tonne und Pfandsystem brachte auch technische Anpassungen am Standort Müllendorf mit sich. Nachrüstungen bei der Metalltrennung – etwa durch vermehrte Getränkedosen – sowie ein neuer 140-Kubikmeter-Silo für Granulat zählen zu den Investitionen. Für 2026 plant PET to PET weitere Automatisierungsschritte in den Anlagen. Ziel ist es, körperlich belastende und risikoreiche Arbeitsschritte zu reduzieren.
(APA/red)