Nur noch 85 Sekunden bis zum Weltuntergang
Die Weltuntergangsuhr rückt weiter vor und zeigt wie nah die Menschheit an einer globalen Katastrophe steht.
Die Menschheit war dem globalen Zusammenbruch noch nie so nahe. Die sogenannte „Doomsday Clock“, auch als Weltuntergangsuhr bekannt, steht aktuell bei nur noch 85 Sekunden vor Mitternacht – so nah am symbolischen „Ende der Welt“ wie in ihrer 79-jährigen Geschichte noch nie zuvor. Das teilte das Bulletin of the Atomic Scientists mit, das die Uhr seit 1947 stellt.
Die Forschenden sehen eine gefährliche Gleichzeitigkeit mehrerer globaler Krisen: militärische Eskalation, Klimawandel, technologische Risiken und eine zunehmende Blockade internationaler Zusammenarbeit. Entscheidend sei weniger ein einzelnes Ereignis als das Zusammenspiel politischer Entscheidungen, die Risiken nicht mehr begrenzen, sondern verstärken.
Abschreckung statt Kontrolle
Zentraler Treiber der aktuellen Zuspitzung ist die Erosion internationaler Sicherheitsarchitekturen. Rüstungskontrolle verliert an Bedeutung, während militärische Abschreckung wieder zur dominierenden Strategie wird. Mit dem Auslaufen bestehender Abrüstungsabkommen droht erstmals seit Jahrzehnten ein nahezu ungebremstes nukleares Wettrüsten zwischen den Großmächten.
Statt verbindlicher Regeln bestimmen nationale Interessen, geopolitische Machtprojektion und strategische Konfrontation die Agenda. Dialogformate und multilaterale Kontrollmechanismen gelten zunehmend als zweitrangig oder politisch nicht durchsetzbar.
Europas Rolle in der Eskalationslogik
Auch Europa ist Teil dieser Entwicklung. Die Europäische Union hat ihre sicherheitspolitische Ausrichtung in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Massive Investitionen in Rüstung, eine klare strategische Positionierung gegenüber Russland und der Fokus auf militärische Abschreckung prägen inzwischen die EU-Politik.
Europa agiert damit nicht mehr nur als wirtschaftlicher Akteur, sondern zunehmend als militärpolitischer Faktor – mit allen Risiken, die diese Rolle mit sich bringt.
Mehr als Atomwaffen
Neben militärischen Risiken fließen auch andere Bedrohungen in die Bewertung der Weltuntergangsuhr ein. Dazu zählen der fortschreitende Klimawandel, der mögliche Missbrauch von Biotechnologie sowie die unzureichend regulierte Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Gemeinsam ist diesen Feldern, dass politische Steuerung mit der technologischen und ökologischen Dynamik kaum Schritt hält.
Die Uhr versteht sich dabei nicht als Prognose, sondern als Warnsignal. Sie zeigt an, wie nah die Menschheit an selbst verursachte Kipppunkte herangerückt ist – und wie sehr politische Entscheidungen darüber bestimmen, ob diese Grenze weiter unterschritten wird.
Ein Warnsignal ohne Ausweichmöglichkeit
Die aktuelle Stellung der Weltuntergangsuhr ist kein objektiver Messwert, sondern eine bewusste Interpretation politischer, militärischer und technologischer Entwicklungen. Sie verdichtet Risiken zu einem Symbol und macht damit sichtbar, in welche Richtung eine sicherheitspolitische Debatte geführt werden soll.
Ob die Uhr wieder zurückgestellt wird, entscheidet sich daher weniger an Prognosen als an politischen Kurswechseln. Solange Eskalation als Normalzustand gilt, bleibt auch die „Doomsday Clock“ auf Alarm gestellt.
(red)