Geheimes Klima‑Feedback der Antarktis

Der fortschreitende Rückzug des Westantarktischen Eisschilds beeinflusst entscheidend, wie viel CO₂ der Südpazifik aus der Atmosphäre aufnehmen kann.

05.02.2026 12:29
red04
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Mithilfe chemischer Analysen konnten Forscher nachvollziehen, wie das Abschmelzen und die Bewegung des Eises die Nährstoffversorgung des Ozeans beeinflussen.

Die Antarktis spielt eine zentrale Rolle im globalen Klimasystem. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass der Westantarktische Eisschild auch direkten Einfluss darauf hat, wie viel Kohlendioxid der Südpazifik aus der Atmosphäre aufnimmt. Damit lassen sich Wechselwirkungen zwischen Eis, Ozean und Kohlenstoffkreislauf besser nachvollziehen.

Hinweise auf vergangene Klimaverhältnisse

Ein internationales Team untersuchte Sedimentkerne aus dem Südpazifik, die bis zu 500 000 Jahre alt sind. Die Proben stammen aus großen Tiefen südlich der antarktischen Polarfront. Mithilfe chemischer Analysen konnten die Forscher nachvollziehen, wie das Abschmelzen und die Bewegung des Eises die Nährstoffversorgung des Ozeans beeinflussten. Im Fokus stand vor allem Eisen, das beim Abschmelzen von Gletschern in den Ozean gelangt. Eisen ist für das Wachstum von Phytoplankton wichtig, das Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnimmt und in die Tiefsee transportiert.

Eisqualität bestimmt biologische Produktivität

Die Analyse zeigt, dass nicht nur die Menge des Eisenerzes entscheidend ist, sondern auch seine chemische Zusammensetzung. „Frische“ Partikel aus Gletschern werden vom Phytoplankton leichter verwertet, was die biologische Produktion und die CO₂-Aufnahme erhöht. In Phasen starken Eisschmelzens war der Anteil solcher bioverfügbaren Partikel geringer, wodurch auch die Kohlenstoffaufnahme abnahm. Dieser Mechanismus wird als Eisschild‑Eisen‑Feedback bezeichnet, da Veränderungen im Eisschild direkte Auswirkungen auf die Kohlenstoffbindung im Ozean haben.

Folgen für heutiges Klima

Der Südpazifik ist ein wichtiger Kohlenstoffspeicher, weil Phytoplankton CO₂ aus der Atmosphäre aufnimmt und in die Tiefsee transportiert. Wird weniger bioverfügbares Eisen durch Gletschererosion geliefert, sinkt die Produktivität des Planktons und damit die Aufnahme von Kohlendioxid. Ein weiterer Rückzug des Westantarktischen Eisschilds könnte diesen Effekt verstärken. Schmelzendes Eis liefert zwar Partikel, doch bei intensivem Rückzug überwiegt oft weniger verwertbares Material. Das verringert die Fähigkeit des Ozeans, CO₂ zu binden, während mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre verbleibt – was die globale Erwärmung zusätzlich begünstigen könnte. Damit zeigt die Studie, dass Veränderungen im antarktischen Eis direkte Auswirkungen auf die globale Kohlenstoffbilanz haben und in Klimamodellen berücksichtigt werden müssen.

(red)

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