Gamma-Stimulation im Hirn steigert Großzügigkeit
Die Bereitschaft, fairer und hilfsbereiter zu handeln, lässt sich durch gezielte Aktivität bestimmter Hirnregionen beeinflussen.
Schon ein kurzer elektrischer Impuls im Gehirn kann das Verhalten verändern: In einem Laborexperiment zeigten Versuchspersonen nach einer gezielten Stimulation plötzlich deutlich mehr Großzügigkeit gegenüber anderen. Forscher aus China und der Schweiz liefern damit neue Hinweise darauf, dass altruistisches Verhalten direkt mit der Aktivität bestimmter Hirnregionen zusammenhängt.
Elektrische Impulse
Die Studie wurde von Wissenschaftlern der East China Normal University in Shanghai und der Universität Zürich durchgeführt. Ziel war es, zu verstehen, wie das Gehirn Entscheidungen über Fairness und Altruismus steuert – und ob sich diese Entscheidungen beeinflussen lassen. Teilnehmer spielten ein klassisches „Diktatorspiel“: Sie mussten entscheiden, wie sie eine Geldsumme zwischen sich und einer anonymen Person aufteilen. Gleichzeitig wurden ihre Front- und Parietallappen mit schwachen elektrischen Impulsen stimuliert, die die Kommunikation zwischen diesen Hirnbereichen verstärken – Regionen, die für die Abwägung eigener und fremder Interessen wichtig sind. Verglichen wurden drei Bedingungen: echte Gamma-Stimulation, Stimulation in einer anderen Frequenz und eine Placebo-Behandlung ohne Wirkung.
Mehr Altruismus durch Gamma-Stimulation
Die Ergebnisse waren klar: Teilnehmer, die die Gamma-Stimulation erhielten, teilten deutlich mehr Geld, vor allem in Situationen, in denen sie selbst weniger hatten als die andere Person. Kontrollbedingungen ohne echte Stimulation zeigten keine Veränderung. Analysemodelle bestätigten, dass die Stimulation gezielt die Gewichtung der Interessen anderer verstärkte, nicht einfach die Zufälligkeit im Verhalten erhöhte.
Altruismus als Schlüssel
Die Ergebnisse machen deutlich, dass menschliches Verhalten flexibler ist, als man oft denkt. Selbst kleine Impulse im Gehirn können die Bereitschaft steigern, anderen zu helfen – und damit Kooperation und Zusammenhalt stärken. Gerade in Zeiten, in denen die Menschheit vor großen Herausforderungen wie Klimawandel, Pandemien oder gesellschaftlichen Krisen steht, könnte die Fähigkeit, altruistisch zu handeln, entscheidend dafür sein, wie wir gemeinsam überleben.
(red)