Mehrfacher Klimastress bedroht Tierarten
mmer mehr Lebensräume von Landtieren sind nicht nur von einzelnen Wetterextremen, sondern von deren Überlagerung betroffen.
Der Klimawandel zeigt sich zunehmend weniger als gleichmäßige Erwärmung, sondern als Häufung und Überlagerung von Extremereignissen. Hitzeperioden, Dürren, Brände und Überschwemmungen treten häufiger auf und treffen viele Regionen nicht mehr isoliert, sondern in Kombination. Eine aktuelle globale Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten deutlich verschärfen dürfte – mit wesentlichen Folgen für Tierarten und ihre Lebensräume.
Mehrfache Extremereignisse
Die Untersuchung zeigt, dass ein wachsender Anteil der Landflächen, die von Wirbeltieren besiedelt werden, künftig gleichzeitig mehreren klimatischen Extremereignissen ausgesetzt sein wird. Während heute viele Gebiete noch von einzelnen Stressfaktoren geprägt sind, steigt der Anteil sogenannter Mehrfachbelastungen deutlich an. Bis zur Mitte des Jahrhunderts sind große Teile der Lebensräume vor allem von Hitzewellen betroffen. Gleichzeitig nehmen aber auch Dürren und Feuerereignisse in vielen Regionen zu. Gegen Ende des Jahrhunderts kommt es zusätzlich vermehrt zu Überschwemmungen in bestimmten Klimazonen. Dadurch entsteht eine neue Qualität von Umweltstress, die sich nicht mehr durch einzelne Schutzmaßnahmen abfedern lässt.
Artenreiche Tropenregionen besonders betroffen
Die höchsten Belastungen treten vor allem in tropischen und subtropischen Regionen auf. Dazu zählen unter anderem das Amazonasgebiet, große Teile Afrikas sowie weite Bereiche Süd- und Südostasiens. Diese Regionen vereinen besonders hohe Biodiversität mit einer starken Zunahme klimatischer Extremereignisse. Gerade dort ist die Situation kritisch, weil viele Arten an sehr spezifische Lebensbedingungen angepasst sind. Gleichzeitig sind Ausweichmöglichkeiten oft begrenzt, etwa durch landwirtschafltiche Nutzung, Städte oder fehlende klimatisch geeignete Ausweichräume.
Überlagerung von Stressfaktoren
Entscheidend ist weniger das einzelne Extremereignis als vielmehr deren zeitliche und räumliche Überlagerung. Wenn etwa Hitzeperioden auf Dürre folgen oder Brände und Überschwemmungen in kurzer Abfolge auftreten, bleibt den Ökosystemen kaum Zeit zur Erholung. Diese wiederkehrenden Belastungen können Populationen schwächen, Fortpflanzungserfolge verringern und langfristig die Stabilität ganzer Lebensgemeinschaften gefährden. Besonders empfindlich reagieren Arten, die nur geringe Ausweichmöglichkeiten oder kleine Verbreitungsgebiete haben.
Konsequenzen für Artenschutz
Für den Naturschutz bedeutet diese Entwicklung einen grundlegenden Perspektivenwechsel. Schutzgebiete allein reichen in vielen Fällen nicht mehr aus, wenn sie selbst zunehmend von Extremereignisse betroffen sind. Wichtiger werden zusammenhängende Schutzräume, die Wanderbewegungen ermöglichen, sowie Landschaftsstrukturen, die Ausweichmöglichkeiten bieten. Gleichzeitig müssen Managementstrategien stärker auf dynamische Risiken reagieren, etwa durch Anpassung an Brand- und Wasserextreme.
(red)