UN sieht Rückstände bei Nachhaltigkeitszielen

Ein neuer UN-Bericht zeigt: Weniger als vier Jahre vor Ablauf der Agenda 2030 liegen viele Nachhaltigkeitsziele deutlich hinter dem Zeitplan.

08.07.2026 9:32
red04
© Adobe Stock
Als wesentlichen Grund für die schleppenden Fortschritte nennt der Bericht eine Finanzierungslücke von vier Billionen US-Dollar.

Weniger als vier Jahre vor Ablauf der selbst gesetzten Frist sehen die Vereinten Nationen erhebliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsziele. Nach dem „Bericht zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung 2026“ liegt nur rund ein Drittel der angestrebten Fortschritte im Zeitplan. Bei der Hälfte der Ziele reichen die bisherigen Entwicklungen nicht aus, während in 15 Prozent der Fälle die Situation sogar schlechter ist als zum Ausgangsjahr 2015. Lediglich 36 Prozent der Ziele gelten derzeit als auf Kurs. Die 17 Nachhaltigkeitsziele wurden 2015 im Rahmen der Agenda 2030 beschlossen. Sie umfassen unter anderem die Bekämpfung von Armut und Hunger, den Zugang zu sauberem Wasser und Energie, hochwertige Bildung, menschenwürdige Arbeit, Klimaschutz sowie die Förderung von Frieden.

Milliardenlücke bremst Entwicklung

Als wesentlichen Grund für die schleppenden Fortschritte nennt der Bericht eine Finanzierungslücke von vier Billionen US-Dollar. Gleichzeitig sei die Entwicklungshilfe im Jahr 2025 um 23 Prozent gesunken. Nach Angaben der Vereinten Nationen handelt es sich dabei um den stärksten jemals verzeichneten jährlichen Rückgang.

Armut und Hunger als Herausforderung

Besonders bei der Bekämpfung extremer Armut komme der Fortschritt nur langsam voran. Der weltweite Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben, liege 2026 bei zehn Prozent und damit lediglich drei Prozentpunkte unter dem Wert von 2015. Auch das Ziel, den Hunger weltweit zu beenden, wird laut Bericht durch verschiedene globale Krisen erschwert. Als Beispiele werden der Iran-Krieg und die damit verbundenen Einschränkungen des Schiffsverkehrs in der für die Welternährung wichtigen Straße von Hormuz genannt. Zwar seien Hunger und Ernährungsunsicherheit seit 2021 rückläufig, sie lägen jedoch weiterhin über dem Niveau von 2015. Zudem gefährdeten Mittelkürzungen die in den vergangenen Jahrzehnten erzielten Fortschritte im Bereich der globalen Gesundheit.

Fortschritte bei Wasser, Strom und sozialen Themen

In einigen Bereichen verzeichnen die Vereinten Nationen dagegen deutliche Verbesserungen. So habe sich der Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene weiter erhöht. Nach dem Bericht verfügen inzwischen 92 Prozent der Weltbevölkerung über Zugang zu Elektrizität. Auch bei sozialen Indikatoren seien Fortschritte erkennbar. Kinderehen gingen zurück, ebenso in einigen Ländern die weibliche Genitalverstümmelung. Die Entwicklung verlaufe jedoch regional sehr unterschiedlich. In Subsahara-Afrika würden weiterhin 31 Prozent der jungen Frauen bereits im Kindesalter verheiratet, in Südasien seien es 25 Prozent. Zudem sei die Arbeitslosigkeit weltweit auf einem historisch niedrigen Stand, während sichere Arbeitsplätze für viele Menschen weiterhin nicht erreichbar seien.

Weiterhin Chancen 

Trotz der bestehenden Defizite halten die Vereinten Nationen die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele grundsätzlich weiterhin für möglich. Die bisherigen Erfolge zeigten, dass Fortschritte erzielt werden könnten, wenn politischer Wille, Investitionen, Innovationen und internationale Zusammenarbeit zusammenwirkten. Die stellvertretende UN-Generalsekretärin Amina J. Mohammed rief in New York zu entschlossenem Handeln auf. Die Ziele seien weiterhin erreichbar, wenn die Staatengemeinschaft mit größerer Dringlichkeit, in größerem Umfang sowie mit mehr Solidarität zusammenarbeite. Diese Entscheidung müsse jedoch jetzt getroffen werden.

(APA/red)

Anzeige
Anzeige
Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Themen