Klimanachrichten zwischen Bedrohung und Lösung

Zwischen Hitzerekorden und Klimakrise braucht es laut einer Studie mehr konkrete Perspektiven darauf, was Einzelne verändern können.

29.09.2026 11:03
red04
© Adobe Stock
Klimaberichte können Menschen durchaus zum Handeln motivieren. Dafür brauche es allerdings eine ausgewogene Darstellung von Risiken und Lösungsansätzen.

Der Klimawandel ist seit Jahren ein Kernthema der Berichterstattung. Doch welchen Einfluss haben die Nachrichten auf das Verhalten ihres Publikums? Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Uni Graz hat untersucht, wann Berichte über die Klimakrise tatsächlich zu klimafreundlichem Verhalten beitragen können. Entscheidend ist demnach, wie Bedrohungen und mögliche Lösungen miteinander verbunden werden.

Konkrete Lebensbedingungen berücksichtigen

Klimaberichte können Menschen durchaus zum Handeln motivieren. Dafür brauche es allerdings eine ausgewogene Darstellung von Risiken und Lösungsansätzen. Medien sollten zudem stärker auf die jeweiligen Lebensbedingungen eingehen, erklärt Projektleiterin Marie Kogler vom Institut für Umweltsystemwissenschaften der Uni Graz. Das kann etwa bedeuten, auf vorhandene Infrastruktur und bereits gesetzte Maßnahmen hinzuweisen oder zu erklären, warum bestimmte Angebote in einer Region erst geschaffen werden müssen. Beim Autoverkehr auf dem Land könnten Medien daher neben den Klimafolgen von Abgasen auch thematisieren, welche Alternativen fehlen.

Was kann der Einzelne tun?

Mit zunehmenden Hitzerekorden und anderen Klimaphänomenen werden auch die Schlagzeilen zugespitzter. Über Hitzetage und deren Folgen müsse zwar berichtet werden, so Kogler. Rein auf der Systemebene angesiedelte Nachrichten über politische Maßnahmen oder Technologien seien für viele Menschen jedoch schwer greifbar. Zusätzlich zu diesen Debatten könne daher stärker die individuelle Ebene in den Blick genommen werden. Die Frage, welche Möglichkeiten Menschen konkret haben und wie sie ihr eigenes Leben klimafreundlicher gestalten können, könne zusätzliche Motivation schaffen. Ergänzend untersuchte ein neurowissenschaftliches Team der Medizinischen Universität Wien mittels Magnetresonanztomografie, wie unterschiedliche Formen der Klimaberichterstattung verarbeitet werden. Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass negative Aussagen über den Klimawandel vom Gehirn etwas schwieriger verarbeitet werden könnten. Die Reaktionen auf lösungs- und bedrohungsorientierte Nachrichten fielen allerdings ähnlich aus.

Nicht nur Bedrohungsszenarien

Dass Medien grundsätzlich zu stark auf negative Klimaszenarien setzen, lässt sich laut der Forschung nicht bestätigen. Eine Analyse von rund 100.000 Klimanachrichten aus den neun auflagenstärksten österreichischen Medien zwischen 2002 und 2023 zeigt ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen lösungs- und bedrohungsorientierten Beiträgen. Zudem wird seit etwa zehn Jahren intensiver und differenzierter über den Klimawandel berichtet. Gleichzeitig kann die wiederholte Berichterstattung über Hitzerekorde bei manchen Menschen für Unmut sorgen.

Warum manche Klimanachrichten meiden

Eine umweltpsychologische Masterarbeit innerhalb des vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts beschäftigt sich noch mit dem Phänomen „climate news avoidance“. Menschen, die Klimanachrichten eher meiden, kritisieren laut den Forschern häufig deren starke Orientierung an Bedrohungen. Gleichzeitig zeigte sich in der Studie, dass diese Personen entsprechende Nachrichten dennoch gelesen hatten. Warum diese Diskrepanz entsteht, ist noch offen. Eine Unzufriedenheit mit der Berichterstattung bedeute jedenfalls nicht automatisch, dass kein Interesse am Klimawandel besteht. Das Forschungsprojekt läuft bis Jahresende. Die Ergebnisse sollen anschließend unter anderem Journalisten, NGOs und Politikern zur Verfügung gestellt werden.

(APA/red)

Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Themen