Klimaschutz: Nicht-Handeln wird teuer
Extremwetter, Hitze und Wasserknappheit verursachen bereits heute hohe Schäden und könnten Österreich künftig noch stärker finanziell belasten.
Österreich will bis 2040 klimaneutral werden. Dafür müssten jährlich 6,4 bis 11,2 Milliarden Euro zusätzlich in Klimaschutzmaßnahmen investiert werden. Gleichzeitig zeigt der zweite österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel, dass auch das Nicht-Handeln hohe Kosten verursacht. Die Schäden durch Hitze, Extremwetter, Belastungen der Infrastruktur und gesundheitliche Folgen summieren sich bereits auf Milliardenbeträge.
Kosten des Nicht-Handelns steigen
Der aktuelle Sachstandsbericht des Austrian Panel on Climate Change (APCC) beziffert die derzeitigen jährlichen Schäden des Klimawandels in Österreich mit rund zwei Milliarden Euro. Neue Berechnungen des Forschungsprojekts „COIN 2.0“ kommen für die Jahre 2017 bis 2024 bereits auf durchschnittlich rund 3,7 Milliarden Euro pro Jahr. Ohne einen weiteren Ausbau des Klimaschutzes könnten die Kosten laut APCC bis 2030 auf bis zu 5,2 Milliarden Euro und bis 2050 auf rund 11 Milliarden Euro jährlich steigen. Modellrechnungen zeigen zugleich, dass Investitionen in Klimaschutz und Anpassung langfristig günstiger ausfallen als die Bewältigung der Klimafolgen.
Wifo sieht bis zu sieben Milliarden Euro jährlich
Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) kam bereits Anfang 2024 zu hohen Kosten des Nicht-Handelns. Eine Studie bezifferte diese auf mindestens 5,4 bis 7,0 Milliarden Euro pro Jahr. Die Klimakrise beschäftigt zudem zunehmend die Zentralbanken, da Klimarisiken über verschiedene Mechanismen die Finanzstabilität und öffentliche Budgets beeinflussen können. Die wirtschaftlichen Folgen sind vielfältig. Häufigere und intensivere Extremwetterereignisse verursachen Schäden an Straßen, Bahnstrecken und Gebäuden und können gleichzeitig Verkehrswege unterbrechen. Beim Hochwasser im September 2024 entstand laut Wifo ein Schaden von rund 1,3 Milliarden Euro. Auch Hitze und Trockenheit haben weitreichende Folgen. Dazu zählen eine erhöhte Sterblichkeit, Produktionsausfälle in der Landwirtschaft, Einschränkungen bei der Stromerzeugung und weitere wirtschaftliche Schäden. Die Hagelversicherung bezifferte die Schäden in der Landwirtschaft durch die Extremhitze und Trockenheit des Jahres bereits Anfang August mit rund einer Milliarde Euro.
Wasser wird im Osten zum Problem
Besonders im Osten und Südosten Österreichs nimmt die Wasserknappheit zu. Niedrige Wasserstände in Flüssen treten häufiger auf, Trockenperioden werden länger und intensiver. Das trifft unter anderem die Landwirtschaft, deren Erträge durch höhere Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und ein geringeres Wasserangebot unter Druck geraten. Auch die Stromproduktion ist betroffen. Österreichs starke Abhängigkeit von Wasserkraft macht die Energieerzeugung anfällig für eine geringere Wasserverfügbarkeit.
Hitze belastet Gesundheit und Wirtschaft
Hohe Kosten entstehen zudem im Gesundheitsbereich. Hitzewellen und Tropennächte können insbesondere in Städten die Gesundheit belasten, die Sterblichkeit erhöhen und die Lebensqualität sowie die Arbeitsproduktivität beeinträchtigen. Gleichzeitig steigt die Temperatur in Österreich deutlich schneller als im globalen Durchschnitt. Die mittlere Lufttemperatur liegt laut Sachstandsbericht bereits rund 3,1 Grad Celsius über dem Niveau der vorindustriellen Zeit von 1850 bis 1900. Der APCC-Bericht kommt daher zu einem klaren Schluss: Rasche und zielgerichtete Maßnahmen seien notwendig. Vorsorgender Klimaschutz und Anpassung seien langfristig deutlich günstiger als die Bewältigung der Schäden durch die Folgen des Klimawandels.
(APA/red)
