Arbeitsbedingter Krebstod am Vormarsch

Jeden Tag sterben fünf Menschen an arbeitsbedingtem Krebs, weil sie giftigen Stoffen ausgesetzt sind.

03.02.2026 10:50
Redaktion
© Adobe Stock
Laut Prognose der Statistik Austria werden im Jahr 2045 knapp 22 Prozent mehr neue Krebsfälle gegenüber 2023 auftreten.

Zum Weltkrebstag am 4. Februar warnt die AK Wien: Arbeitsbedingte Krebserkrankungen sind für Beschäftigte Todesursache Nummer eins – mit über 1.800 Toten pro Jahr. Zum Vergleich: 2024 gab es 349 Verkehrstote und 101 tödliche Arbeitsunfälle. Eine aktuelle Studie der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA, 2025) zeigt: Fast die Hälfte aller europäischen Beschäftigten (47,3 Prozent) ist mindestens einem krebserzeugenden Stoff ausgesetzt. Doch während andere EU-Länder, wie etwa Deutschland, ihre Schutzstandards laufend verbessern, setzt Österreich seit einem Vierteljahrhundert auf längst veraltete Grenzwerte.

Jeder Fünfte arbeitet mit Krebs-Risiko

Die EU-Studie zeigt: Jede:r fünfte Arbeitnehmer:in ist krebserzeugenden Stoffen ausgesetzt – vor allem UV-Strahlung, Dieselabgasen, Feinstaub oder Formaldehyd. Jede:r Vierte ist sogar mehreren dieser Gefährdungen gleichzeitig ausgesetzt. Besonders betroffen: Beschäftigte am Bau, in der Produktion und im Gesundheitswesen.

„Viele Beschäftigte wissen gar nicht, mit welcher Gefahr sie tagtäglich konfrontiert sind“, erklärt Rosoli, Abteilungsleiterin für Arbeitnehmer:innenschutz der AK Wien. „Aber dort, wo Betriebe wirksame Maßnahmen ergreifen, lässt sich das Risiko, an Krebs zu erkranken, deutlich senken – und Todesfälle können verhindert werden. Trotzdem berichten zwei Drittel der Beschäftigten in Hochrisikobereichen wie der Baubranche, dass gar keine Schutzvorkehrungen getroffen werden.“

Besserer Schutz notwendig

„Damit der Weltkrebstag mehr als Sonntagsreden bringt, brauchen wir Grenzwerte, die das Krebsrisiko tatsächlich minimieren“, fordert Rosoli. „Die neue Regierung hat im Regierungsprogramm die Modernisierung des Arbeitnehmer:innenschutzes angekündigt – das begrüßen wir ausdrücklich. Jetzt braucht es konkrete Schritte: Ein fertig ausgearbeitetes Konzept für risikobasierte Grenzwerte liegt seit 2018 vor und wird von Arbeitgeberseite unter dem Vorwand bürokratischer Belastung verhindert.

Grundsätzlich sind wir uns jedoch einig: Menschen sollen länger gesund arbeiten können – aber dafür braucht es wirksame Prävention. Jede verhinderte Krebserkrankung erspart nicht nur unglaubliches Leid, sondern entlastet auch unser Gesundheitssystem und sichert dringend benötigte Fachkräfte. Der erste Schritt dafür sind risikobasierte Grenzwerte, die rasch umgesetzt werden müssen.“

(PA/red)

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Themen