Atomgefahr in Europa und das Risiko für Österreich
Rund 100 Kernreaktoren, einige davon aus den 1970er-Jahren, befinden sich in unmittelbarer Nähe zu Österreich.

Während der Ausbau erneuerbarer Energien in vielen Ländern Europas voranschreitet, setzt ein Großteil unserer Nachbarn weiterhin auf Atomkraft. Doch wie sicher sind die teils jahrzehntealten Meiler noch? Und welche Folgen hätte ein schwerer Unfall für Österreich?
Tickende Zeitbomben an Österreichs Grenzen
Europa betreibt derzeit rund 100 Kernreaktoren, einige davon bereits seit den 1970er-Jahren. Besonders problematisch: Viele dieser Meiler befinden sich in unmittelbarer Nähe zu Österreich, das sich früh gegen Atomkraft entschieden hat. Einige Beispiele von Atomkraftwerken sind:
- Temelín (Tschechien) – Nur etwa 60 km von der oberösterreichischen Grenze entfernt, wurde der Reaktor 2002 in Betrieb genommen, basiert jedoch auf sowjetischer Technologie aus den 1980ern. Immer wieder gibt es Störmeldungen.
- Dukovany (Tschechien) – Noch älter als Temelín, mit Reaktoren aus den 1980er-Jahren, wurde die Betriebsdauer mehrfach verlängert. Geplante Modernisierungen kommen schleppend voran.
- Mochovce (Slowakei) – Ein weiterer alter Reaktor sowjetischer Bauart, der aufgrund von Sicherheitsmängeln immer wieder in der Kritik steht. 2023 wurde Block 3 nach langen Verzögerungen in Betrieb genommen. Kritiker befürchten, dass die Bauweise nicht den neuesten Sicherheitsstandards entspricht.
- Krško (Slowenien) – Errichtet in den 1980er-Jahren, wurde der Meiler bereits über die ursprünglich vorgesehene Laufzeit hinaus betrieben. Ein Erdbeben könnte hier eine Katastrophe auslösen.
Wie real ist die Gefahr?
Obwohl europäische Atomkraftwerke strengen Sicherheitsauflagen unterliegen, zeigt ein Blick in die Vergangenheit, dass schwere Unfälle keineswegs ausgeschlossen sind. Die Katastrophen von Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) haben bewiesen, dass technische Mängel, menschliches Versagen oder Naturkatastrophen fatale Folgen haben können.
Zwar haben einige Länder – etwa Deutschland – den Atomausstieg vollzogen, doch gleichzeitig verlängern andere Staaten die Laufzeiten ihrer Reaktoren oder setzen auf Neubauten. Kritiker warnen, dass gerade veraltete Kraftwerke in Mittel- und Osteuropa eine Gefahr für die ganze Region darstellen könnten.
Was passiert, wenn Radioaktivität austritt?
Ein schwerer Atomunfall hätte gravierende Folgen für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen in ganz Mitteleuropa. Ein Austritt von Radioaktivität würde sich je nach Windrichtung und Wetterlage in wenigen Stunden über mehrere Hundert Kilometer ausbreiten.
Mögliche Auswirkungen auf Österreich:
- Strahlenbelastung der Luft: Radioaktive Partikel würden durch den Wind transportiert und könnten große Teile Österreichs erreichen.
- Verseuchung von Böden und Wasser: Regen würde die Strahlung in die Erde spülen, was zu langfristigen Belastungen der Landwirtschaft führen könnte.
- Gesundheitliche Folgen: Erhöhte Krebsraten, Schäden an Erbgut und Immunsystem sowie akute Strahlenkrankheit bei hoher Exposition. Besonders betroffen wären Kinder und Schwangere.
- Langfristige Sperrzonen: Vergleichbar mit der Umgebung von Tschernobyl könnten bestimmte Gebiete über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte unbewohnbar bleiben.
Wie kann man sich schützen?
Auch wenn ein Atomunfall unwahrscheinlich erscheint, ist Vorsorge entscheidend. In Österreich existiert ein Notfallplan für radioaktive Bedrohungen, der unter anderem vorsieht:
- Jodtabletten: Bei einem nuklearen Zwischenfall kann die frühzeitige Einnahme von Kaliumiodid verhindern, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse einlagert. Die österreichische Regierung hält für alle Bürger Jodtabletten bereit, die im Ernstfall verteilt werden.
- Notfallvorräte: Lebensmittel, Wasser und Hygieneartikel für mindestens 14 Tage helfen, in einer möglichen Kontaminationssituation nicht auf externe Versorgung angewiesen zu sein.
- Dicht halten: Türen und Fenster schließen, Lüftungen ausschalten und sich in geschlossenen Räumen aufhalten, um die Aufnahme radioaktiver Partikel zu minimieren.
- Offizielle Informationen beachten: Behörden wie das BMK (Bundesministerium für Klimaschutz) oder der Zivilschutzverband geben im Katastrophenfall Anweisungen.
- Warnsystem auf Smartphones: Über das Cell Broadcast-Warnsystem sowie die Katastrophen-Warnapps KATWARN und UWZ werden Bürger im Ernstfall direkt auf ihren Mobiltelefonen alarmiert.
- Fluchtrouten kennen: Sollte eine Evakuierung notwendig sein, ist es wichtig, sich über offizielle Fluchtrouten und Notfallpläne in der eigenen Region zu informieren.
Druck auf Betreiber wächst
Während manche Staaten den Ausstieg aus der Kernenergie vollzogen haben, setzen andere weiterhin auf Atomstrom – auch mit veralteten Reaktoren. Besonders für Österreich bleibt das Risiko bestehen, da sich gleich mehrere alte Kraftwerke in unmittelbarer Nähe befinden. Ein schwerer Unfall könnte katastrophale Auswirkungen auf das Land haben.
Es bleibt zu hoffen, dass Druck von Regierungen und Umweltschutzorganisationen dazu führt, dass Sicherheitsstandards weiter erhöht und veraltete Reaktoren rechtzeitig abgeschaltet werden. Denn am Ende geht es nicht nur um Energiepolitik – sondern um die Sicherheit von Millionen Menschen.
(SERV/red)