Biodiversität leidet unter menschlichem Einfluss
Sowohl Land- als auch Meeresökosysteme sind zunehmend bedroht, was langfristige Folgen für Natur und Menschheit hat.
Unsere Erde steht unter Druck. In den letzten Jahrzehnten hat die Menschheit die natürlichen Grenzen unseres Planeten zunehmend überschritten. Bevölkerungswachstum, steigender Konsum und Urbanisierung führen dazu, dass wir mehr Ressourcen verbrauchen, als die Erde auf natürliche Weise regenerieren kann. Dies wirkt sich massiv auf Tiere und Pflanzen aus: Viele Arten verlieren ihre Lebensräume oder werden direkt vom Menschen bedroht.
Rückgang von Tierpopulationen
Zwischen 1970 und 2016 sind die Bestände von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Reptilien und Amphibien im Durchschnitt um rund zwei Drittel gesunken. Besonders betroffen sind Lebensräume wie Wälder, Grasländer und Mangroven, die zunehmend landwirtschaftlichen Nutzflächen weichen müssen. Hinzu kommt der illegale Wildtierhandel, der Arten wie Pangoline, Haie oder Seepferdchen stark gefährdet.
Artensterben beschleunigt sich dramatisch
Wissenschaftler warnen, dass wir uns inmitten eines „sechsten Massenaussterbens“ befinden, das sich rapide beschleunigt. Mehr als 500 Landtierarten stehen aktuell am Rande des Aussterbens – eine Zahl, die im gesamten letzten Jahrhundert erreicht wurde. Wissenschaftler betonen, dass ohne menschliche Eingriffe der Verlust dieser Arten Tausende von Jahren gedauert hätte. Gleichzeitig wirkt der Klimawandel als zusätzlicher Druckfaktor: In der Antarktis bedroht das Abschmelzen von Meereis die Bestände der Kaiserpinguine massiv, ganze Populationen könnten bis 2100 verschwinden.
Globaler Rettungsplan
Um dem Artenverlust entgegenzuwirken, wurde 2022 das Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework verabschiedet. Damit verpflichteten sich zahlreiche Staaten, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen zu schützen – das sogenannte „30×30“-Ziel. Doch die Umsetzung hinkt hinterher. Weltweit sind derzeit lediglich 17,6 Prozent der Landflächen und nur 9,6 Prozent der Meere effektiv geschützt.
Öffentliche Unterstützung für Naturschutz
Trotz dieser Lücken zeigt sich, dass die Öffentlichkeit das Ziel unterstützt. Eine internationale Umfrage in acht Ländern ergab, dass im Durchschnitt über 82 Prozent der Bevölkerung ein größeres Engagement für den Schutz von Land und Meer befürworten. Selbst in Industrienationen wie den USA oder Schweden ist die Zustimmung hoch – ein deutliches Signal, dass der politische Wille nur mit gesellschaftlichem Druck Schritt halten muss.
High Seas Treaty schafft neuen Rahmen
Ein bedeutender Schritt in Richtung globaler Meeresschutz ist der High Seas Treaty. Dieses Abkommen, das mit dem 17. Jänner 2026 in Kraft tritt, schafft erstmals einen rechtlichen Rahmen, um Schutzgebiete in internationalen Gewässern einzurichten – Gebiete, die zwei Drittel der Ozeane ausmachen. Die Europäische Union und mehrere Mitgliedstaaten ratifizierten den Vertrag bereits im Mai 2025 und planen, das Abkommen in nationales Recht zu integrieren, um die Umsetzung zu stärken. Gleichzeitig haben jedoch wichtige Staaten wie die USA, China und Russland bislang nicht ratifiziert, was die globale Wirksamkeit des Vertrages begrenzen könnte.
(red)
