CO₂-Speicher unter der Nordsee geht in Betrieb

Unter der dänischen Nordsee sollen künftig bis zu 400.000 Tonnen CO₂ pro Jahr gespeichert werden, langfristig sind mehrere Millionen Tonnen vorgesehen.

18.09.2026 10:09
red04
© Jonathan NACKSTRAND / AFP
Beim Projekt „Greensand“ wird Kohlendioxid etwa aus Industrieprozessen abgeschieden, verflüssigt und zu einer unterirdischen Lagerstätte transportiert.

Dänemark nimmt die Speicherung von Kohlendioxid im Meeresgrund im industriellen Maßstab in Betrieb. In einem ausgeförderten Ölfeld in der Nordsee sollen zunächst bis zu 400.000 Tonnen CO₂ pro Jahr dauerhaft gespeichert werden. König Frederik X. eröffnet die Anlage am heutigen Freitag offiziell in Esbjerg.

CO₂ in 1.800 Metern Tiefe

Beim Projekt „Greensand“ wird Kohlendioxid etwa aus Industrieprozessen abgeschieden, verflüssigt und zu einer unterirdischen Lagerstätte transportiert. Dort wird es in rund 1.800 Metern Tiefe im ehemaligen Ölfeld Nini West eingelagert. Seit 2023 läuft dort bereits eine Pilotphase. Dabei wurden jährlich rund 15.000 Tonnen CO₂ gespeichert. Nach Angaben der Projektbetreiber handelt es sich nun um die erste CO₂-Speicherstätte in der EU, die im industriellen Maßstab betrieben wird. Langfristig soll die Kapazität auf vier bis acht Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr steigen. Beteiligt sind der britische Chemiekonzern Ineos, Harbour Energy und das dänische Staatsunternehmen Nordsøfonden.

CCS als Ergänzung zur Emissionsreduktion

Carbon Capture and Storage (CCS) gilt insbesondere für Bereiche als mögliche Ergänzung zur Klimapolitik, in denen sich Emissionen nur schwer vermeiden lassen. Als Beispiel wird etwa die Zementindustrie genannt. Gleichzeitig ist die Technologie umstritten. Umweltschützer befürchten, dass die Möglichkeit zur Speicherung den Druck zur Verringerung von Emissionen an der Quelle abschwächen könnte. Auch die Kosten gelten als Hindernis. Laut dem dänischen Energieexperten Brian Vad Mathiesen gibt es derzeit vielfach günstigere Möglichkeiten zur Emissionsreduktion.

Interesse aus der Industrie

Die derzeit geplante Menge von 400.000 Tonnen pro Jahr entspreche jener Menge, die der Markt bereit sei zu liefern, heißt es vom Konsortium. Bisher stammt das gespeicherte CO₂ vor allem aus dänischen Biogasbetrieben. Künftig sollen auch Industrieunternehmen aus Deutschland als Kunden gewonnen werden. Auch in Österreich ist CCS wieder Thema. Im Zuge der Debatte über das Klimaziel 2040 steht eine mögliche Aufhebung des bisherigen CO₂-Speicherungsverbots im Raum. Dabei geht es neben ökologischen Fragen auch um die Kosten der notwendigen Infrastruktur. Für Pipelines fordert die Industrie eine Beteiligung des Staates.

(APA/red)

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