Das schwierige Geschäft mit nachhaltiger Mode

Obwohl das Bewusstsein für Umwelt- und Sozialstandards wächst, verlieren viele nachhaltige Modelabels wirtschaftlich den Anschluss.

09.01.2026 14:10
red04
© Adobe Stock
Große Marken werben inzwischen mit eigenen „nachhaltigen“ Linien, oft mehr Marketing als echte Veränderung.

Nachhaltige Mode galt lange als Hoffnungsträger in einer Branche, die für Umweltverschmutzung und schlechte Arbeitsbedingungen bekannt ist. Bio-Baumwolle, faire Produktionsbedingungen und langlebige Designs sollten eine Alternative zur Wegwerfmentalität der Fast Fashion bieten. Doch die Realität sieht anders aus: Immer mehr nachhaltige Modegeschäfte müssen schließen. Der Grund liegt nicht nur im Preis, sondern auch darin, dass Fast Fashion den Markt weiterhin klar dominiert.

Fast Fashion bleibt stark

Fast-Fashion-Marken wie Zara, H&M oder SHEIN können Kleidung extrem günstig anbieten. Sie setzen auf synthetische Materialien, die billig und leicht zu verarbeiten sind, bringen ständig neue Kollektionen heraus und locken Kunden mit immer neuen Trends. Kleine nachhaltige Labels haben da kaum eine Chance mitzuhalten. Gleichzeitig werben große Marken inzwischen mit eigenen „nachhaltigen“ Linien, oft mehr Marketing als echte Veränderung. Für kleine Anbieter wird es dadurch noch schwieriger, aufzufallen und Kunden zu gewinnen.

Zwischen Gewissen und Geldbeutel

Kleidung aus fairer Produktion ist teuer. Die Materialien sind oft ökologisch zertifiziert, die Arbeitsbedingungen müssen fair sein, die Produktion läuft meist in kleinen Mengen. All das treibt den Preis nach oben. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten greifen viele Menschen lieber zu günstigen Alternativen. Während eine Bluse aus fairer Produktion leicht 100 Euro kostet, bekommt man bei großen Fast-Fashion-Ketten ein ähnliches Stück für unter 20 Euro. Für kleine Labels ist das ein harter Wettbewerb. Viele Menschen wollen nachhaltige Mode kaufen, doch oft entscheidet am Ende der Geldbeutel. Das Bewusstsein für Umwelt- und Sozialstandards wächst, doch wenn das Budget knapp ist, wird der Griff zur günstigen Alternative verlockender. Für kleine Labels bedeutet das: Selbst wenn Interesse da ist, reicht es oft nicht, um wirtschaftlich bestehen zu können.

Fair Fashion kämpft

Die aktuelle Krise zeigt vor allem eines: Nicht die Idee der nachhaltigen Mode ist gescheitert, sondern die Bedingungen, unter denen sie sich behaupten muss. Faire Produktion, ökologische Materialien und transparente Lieferketten sind kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit in einer Branche, die an ihre ökologischen Grenzen stößt. Doch solange Fast Fashion durch billige Rohstoffe, niedrige Produktionskosten und politische Rahmenbedingungen im Vorteil ist, kämpfen nachhaltige Labels mit ungleichen Waffen. Fair Fashion braucht deshalb mehr als gute Absichten. Sie braucht Sichtbarkeit, faire Marktbedingungen und Konsumenten, die bereit sind, Qualität und Verantwortung mitzudenken. Wer heute in nachhaltige Mode investiert – als Marke, als Händler oder als Käufer –, entscheidet sich nicht gegen Wirtschaftlichkeit, sondern für eine andere Form von Wertschöpfung. Eine, die langfristig trägt, auch wenn sie es im Moment schwerer hat.

(red)

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