Diabetes frisst Billionen aus Welt-BIP

Diabetes belastet weltweit Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften und verursacht direkte wie indirekte Kosten in Billionenhöhe.

07.01.2026 9:25
red04
© Adobe Stock
Derzeit leben weltweit über 500 Millionen Erwachsene mit Diabetes.

Diabetes mellitus ist längst nicht mehr nur ein medizinisches Problem einzelner Betroffener. Die chronische Erkrankung hat sich zu einer globalen Herausforderung entwickelt, die Gesundheitssysteme, Arbeitsmärkte und staatliche Budgets massiv belastet. Eine aktuelle internationale Studie zeigt nun, welches wirtschaftliche Ausmaß Diabetes bereits erreicht hat – und welche Kosten in den kommenden Jahrzehnten drohen, wenn keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Globale „Diabetes-Steuer“

Die Forscher berechneten, dass Diabetes die Weltwirtschaft zwischen 2020 und 2050 mehrere Billionen US-Dollar kosten wird. Umgerechnet entspricht diese Belastung einer Art globaler Steuer von rund 0,22 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts pro Jahr. Was abstrakt klingt, bedeutet in der Praxis, dass enorme finanzielle Ressourcen gebunden werden, die sonst für Bildung, Klimaschutz, Infrastruktur oder soziale Absicherung zur Verfügung stünden. Die Berechnungen berücksichtigen nicht nur direkte Gesundheitsausgaben wie Medikamente, Krankenhausaufenthalte oder Arztbesuche, sondern auch indirekte Kosten. Dazu zählen Produktivitätsverluste durch Krankenstände, Frühpensionierungen und vorzeitige Todesfälle. Besonders ins Gewicht fällt zudem die informelle Pflege durch Angehörige, die häufig unbezahlt erfolgt und in klassischen Wirtschaftsdaten lange unterschätzt wurde.

Kostenexplosion durch Pflege und Produktivitätsverluste

Ohne die informelle Pflege belaufen sich die globalen Kosten von Diabetes bereits auf rund zehn Billionen US-Dollar. Werden jedoch Pflegeleistungen durch Familienmitglieder mitgerechnet, steigt die Summe dramatisch an. Schätzungen reichen von 78 bis über 150 Billionen US-Dollar innerhalb von drei Jahrzehnten. Damit würde Diabetes bis zu 1,7 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung verschlingen. Diese Zahlen zeigen, dass es sich bei Diabetes nicht um ein Randthema der Gesundheitspolitik handelt, sondern um einen zentralen wirtschaftlichen Risikofaktor. Besonders problematisch ist dabei, dass viele der entstehenden Kosten langfristig wirken und sich über Jahre hinweg aufbauen.

Die größten Lastträger

Die wirtschaftliche Belastung ist weltweit ungleich verteilt. In absoluten Zahlen treffen die höchsten Kosten große Volkswirtschaften wie die USA, China und Indien, da dort besonders viele Menschen mit Diabetes leben. In Relation zur Bevölkerungszahl sind jedoch auch kleinere Staaten stark betroffen. Länder mit hoher Diabetesprävalenz und begrenzten Gesundheitssystemen geraten dadurch besonders unter Druck. Auch Europa ist von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Österreich liegt zwar leicht unter dem europäischen Durchschnitt, dennoch gehen jedes Jahr erhebliche Teile der Wirtschaftsleistung durch diabetesbedingte Kosten verloren – ein Trend, der sich mit der alternden Bevölkerung weiter verstärken dürfte.

Krankheit mit wachsender Reichweite

Derzeit leben weltweit über 500 Millionen Erwachsene mit Diabetes, Tendenz steigend. Besonders problematisch ist, dass ein erheblicher Anteil der Betroffenen nichts von seiner Erkrankung weiß. Unentdeckter oder schlecht behandelter Diabetes führt häufiger zu schweren Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Nierenschäden oder Erblindung und treibt die Kosten weiter in die Höhe. Damit wird deutlich: Die wirtschaftliche Last von Diabetes ist nicht nur eine Folge hoher Behandlungskosten, sondern auch Ausdruck unzureichender Prävention und verspäteter Diagnosen.

Prävention als wirtschaftliche Investition

Ein großer Teil der Diabeteskosten wäre vermeidbar. Investitionen in Prävention, Früherkennung und eine bessere Versorgung könnten nicht nur Millionen Menschen ein gesünderes Leben ermöglichen, sondern auch enorme wirtschaftliche Einsparungen bringen. Maßnahmen wie die Förderung gesunder Ernährung, mehr Bewegung im Alltag, gezielte Vorsorgeuntersuchungen und eine konsequente Behandlung im Frühstadium gelten als besonders wirksam. Langfristig sind solche Strategien günstiger als die Behandlung schwerer Folgeerkrankungen und könnten die „Diabetes-Steuer“ für die Weltwirtschaft deutlich senken.

(red)

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Themen