E-Autos kosten im Winter mehr als Benziner

Im Winter steigt der Energieverbrauch von E-Autos um 20 bis 40 % – und gleichzeitig die Kosten.

22.01.2026 16:13
Redaktion
© Adobe Stock

Der Winter ist für Elektroautos die teuerste Jahreszeit. Nicht, weil Strom plötzlich knapp wäre, sondern weil Kälte die Effizienz massiv drückt. Wer in der Stadt lebt und nicht zu Hause laden kann, spürt diesen Effekt besonders deutlich – finanziell wie praktisch. Die viel zitierte Kostenüberlegenheit des E-Autos gerät bei Frost zumindest temporär ins Wanken.

Wenn Kälte direkt ins Geld geht

Sinkende Temperaturen treffen E-Autos gleich doppelt. Erstens arbeitet die Batterie weniger effizient, zweitens steigt der Strombedarf durch Heizung, Sitz- und Lenkradwärme. Während im Sommer 15 bis 17 kWh pro 100 Kilometer üblich sind, klettert der Verbrauch im Winter schnell auf 22 bis 25 kWh – bei Kurzstrecken oder starkem Frost sogar darüber.

Die Folge: Jede gefahrene Strecke kostet mehr. Das ist physikalisch unvermeidbar und kein Zeichen für eine schwache Batterie, wohl aber ein Kostenfaktor, der oft unterschätzt wird.

Öffentlich laden heißt teuer laden

In Städten ist Heimladen meist keine Option. Geladen wird an öffentlichen Säulen oder Schnellladern – und dort sind die Preise deutlich höher als an der heimischen Steckdose.

Rechnet man mit 60 bis 70 Cent pro kWh und einem winterlichen Verbrauch von rund 24 kWh, landet man bei 14 bis 17 Euro pro 100 Kilometer. Damit kann ein E-Auto im Winter teurer unterwegs sein als ein sparsamer Diesel – zumindest kurzfristig.

Zum Vergleich: Ein moderner Diesel kommt im Winter auf etwa 6 Liter pro 100 Kilometer, was bei aktuellen Preisen rund 9 bis 11 Euro entspricht. Benziner liegen meist noch etwas darüber, bleiben aber oft unter den Kosten eines öffentlich geladenen E-Autos.

Kurzstrecken verschärfen das Problem

Besonders ungünstig ist der Stadtbetrieb: viele kurze Fahrten, dazwischen Abkühlung, erneutes Aufheizen. Die Batterie bleibt kalt, die Heizung läuft auf Hochtouren, der Verbrauch explodiert. Die Reichweitenanzeige reagiert darauf sofort und senkt die Prognose.

Was oft vergessen wird: Auch Verbrenner sind im Winter ineffizienter. Sie verbrauchen mehr, stoßen mehr Schadstoffe aus und verschleißen stärker. Diese Zusatzkosten tauchen in der Kilometerrechnung selten auf, existieren aber real.

Winter verzerrt die Rechnung

E-Autos sind im Winter nicht grundsätzlich unwirtschaftlich, aber der Kostenvorteil schrumpft – vor allem für urbane Fahrer ohne Heimlademöglichkeit. Wer fast ausschließlich öffentlich lädt, zahlt in der kalten Jahreszeit pro Kilometer oft mehr als erwartet.

Über das gesamte Jahr gerechnet bleibt das E-Auto meist konkurrenzfähig. Doch der Winter zeigt schonungslos: Ohne günstigen Stromanschluss verliert Elektromobilität einen Teil ihres finanziellen Arguments.

Die oft zitierte Kostenüberlegenheit des E-Autos war einmal. Hohe Kaufprämien, niedrige Strompreise und stabile Wiederverkaufswerte? Diese Kombination existiert in Österreich so nicht mehr.

Heute fallen die Förderungen deutlich geringer aus oder ganz weg, der Strompreis ist dauerhaft hoch geblieben und der Gebrauchtmarkt straft viele E-Modelle mit spürbaren Abschlägen ab. Gleichzeitig laden vor allem Stadtbewohner überwiegend öffentlich – also zu Preisen, die den Energie­kostenvorteil gegenüber Diesel und Benzin weitgehend neutralisieren oder sogar ins Negative drehen.

Rechnet man realistisch, bleibt vom Kostenvorteil oft nur ein theoretischer Rest, der sich nur unter Idealbedingungen zeigt: Heimladen, moderates Fahrprofil, längere Haltedauer. Für viele trifft das nicht zu. Im Alltag ist die Rechnung daher nicht zugunsten des E-Autos, sondern bestenfalls ausgeglichen.

(red)

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Themen