Erde dreht sich still und heimlich schneller als zuvor
Die Erde dreht sich aktuell schneller als erwartet – und selbst kleinste Sekundenabweichungen werfen neue Fragen über unseren Planeten auf.
Die Erde vollzieht ihre tägliche Drehung um die eigene Achse aktuell etwas schneller als innerhalb von 24 Stunden. Für die Wissenschaft ist das eine überraschende Entwicklung, denn bislang gingen Forscher davon aus, dass sich die Rotation der Erde über lange Zeiträume hinweg allmählich verlangsamt. Die neuen Messungen werfen Fragen darüber auf, wie genau sich der Planet im Inneren bewegt und welche Kräfte seine Rotation beeinflussen.
Verlangsamung und Beschleunigung
Normalerweise wirken verschiedene natürliche Mechanismen wie eine Art Bremse auf die Erdrotation. Die Gezeitenreibung zwischen Erde und Mond zieht den Planeten minimal aus der Ruhe, sodass die Tage im Laufe von Millionen Jahren länger werden. Auch klimatische Veränderungen, etwa das Abschmelzen von Eismassen an den Polen und die Verschiebung großer Wassermengen Richtung Äquator, könnten dazu beitragen, dass die Erde langsamer rotiert. Die aktuell gemessene Beschleunigung deutet darauf hin, dass tief im Inneren der Erde Prozesse ablaufen, die gegenläufig wirken. Der Erdkern könnte sich derzeit minimal schneller drehen als der Erdmantel, sodass ein winziger Drehimpuls auf die gesamte Erde übertragen wird. Solche Vorgänge sind schwer direkt zu beobachten, lassen sich nur über indirekte Messungen erahnen, und erklären teilweise, warum der Planet kurzfristig schneller rotiert.
Auswirkungen auf Alltag und Technik
Für den Alltag hat diese Beschleunigung kaum spürbare Folgen, denn die Veränderungen bewegen sich im Bereich von Hundertstelsekunden pro Tag. Anders sieht es für technische Systeme aus: Viele Zeitsysteme, Satelliten und Computer setzen auf extrem präzise Zeitintervalle. Schon kleinste Abweichungen können hier zu Problemen führen, weshalb Wissenschaft und Technik diese Änderungen genau beobachten. Die neuen Erkenntnisse verdeutlichen, wie flexibel und dynamisch die Erde auf innere und äußere Kräfte reagiert. Selbst so etwas Alltägliches wie ein 24-Stunden-Tag ist nicht in Stein gemeißelt. Die ständige Beobachtung der Erdrotation liefert Wissenschaftlern wertvolle Hinweise darauf, welche Prozesse im Inneren des Planeten ablaufen und wie der Planet auf langfristige Veränderungen reagiert.
(red)