Ewigkeitschemikalie TFA verbreitet sich in Gewässern
TFA, kaum abbaubar und persistent, gelangt über Regen und Flüsse in unsere Gewässer, wodurch langfristige Risiken für Umwelt und Gesundheit entstehen.
Die Konzentration von Trifluoressigsäure (TFA) nimmt in Gewässern kontinuierlich zu. Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), des Bundesamts für Umwelt (BAFU) und der Universität Bern untersuchen derzeit, wie diese kaum abbaubare Substanz in die Umwelt gelangt und welche Folgen sie für Mensch und Natur haben könnte. Die Problematik beschränkt sich jedoch nicht auf die Schweiz: Auch in anderen europäischen Ländern, in denen ähnliche fluorierte Stoffe eingesetzt werden, ist mit einer zunehmenden Belastung zu rechnen.
Was TFA so gefährlich macht
TFA gehört zur Gruppe der per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), die wegen ihrer extremen Stabilität oft als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet werden. In der Umwelt bauen sie sich nur sehr langsam ab, reichern sich in Gewässern, Böden und Lebewesen an und können so langfristig in die Nahrungskette gelangen. Erste Studien deuten darauf hin, dass diese Substanzen gesundheitliche Risiken bergen, etwa für Leber, Nieren oder hormonelle Prozesse, auch wenn die genauen Effekte noch nicht vollständig erforscht sind.
Wie TFA in Gewässer gelangt
TFA entsteht teilweise als Abbauprodukt anderer fluorierter Chemikalien, darunter sogenannte Hydrofluorolefine, die in Kühlmitteln und Treibgasen eingesetzt werden. Diese Stoffe zerfallen in der Atmosphäre zu TFA, das über Regen in Flüsse, Seen und das Grundwasser gelangt. Zusätzlich tragen bestimmte Pflanzenschutzmittel, die TFA-Vorläufer enthalten, direkt zur Belastung von Oberflächengewässern bei. Einmal im Wasser, bleibt TFA nahezu vollständig erhalten, da es kaum abbaubar ist. In Europa gelten ähnliche Prozesse: Dort eingesetzte fluorierte Gase und Chemikalien können ebenfalls über Regen und Flüsse verbreitet werden, sodass TFA in vielen Ländern potenziell ansteigt.
Steigende Werte
Langzeitmessungen des BAFU in der Schweiz und die Auswertung historischer Wasserproben zeigen deutlich, dass die Konzentrationen von TFA in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen haben. Besonders seit den 1990er-Jahren hat sich die Belastung vervielfacht, ein Trend, der durch den zunehmenden Einsatz fluorierter Chemikalien vermutlich weiter anhält. Erste Untersuchungen aus europäischen Ländern bestätigen, dass auch dort TFA nachweisbar ist, wenngleich die Datenlage noch weniger detailliert ist als in der Schweiz.
Fragen für Umwelt und Gesundheit
Noch gibt es viele offene Fragen: Welche langfristigen toxischen Effekte TFA auf Menschen und Tiere hat, ist noch nicht vollständig geklärt. Auch die Rolle bislang unbekannter Vorläuferstoffe muss weiter erforscht werden. Die Forschenden betonen, dass trotz unvollständiger Daten das Vorsorgeprinzip gelten sollte, um eine unkontrollierte Anreicherung in der Umwelt zu vermeiden. Um die Belastung zu begrenzen, arbeiten Wissenschaftler an verbesserten Modellen zur Vorhersage der TFA-Verbreitung und an Methoden, um bislang unbekannte Quellen zu identifizieren. Gleichzeitig wird ein reduzierter Einsatz fluorierter Gase und TFA-haltiger Chemikalien als dringend notwendig angesehen.
(red)