Gasspeicher nur mehr zu 45 Prozent gefüllt

Der kältebedingte Mehrverbrauch erklärt nur einen begrenzten Teil der Differenz zu früheren Jahren.

05.02.2026 10:34
Redaktion
© Spitzi-Foto / Adobe
Gasspeicheranlage Haidach in Straßwalchen

Trotz eines deutlich kälteren Winters sind die österreichischen Gasspeicher Anfang Februar noch halb voll. Der Füllstand liegt derzeit bei rund 45 Prozent, wie die Regulierungsbehörde E-Control und das Wirtschaftsministerium berichteten. Vor einem Jahr lag der Wert bei 62 Prozent. “Wenn es so kalt ist, wie es dieses Jahr ist, werden die Speicher natürlich auch stärker genützt, also eigentlich nichts Erstaunliches”, sagt Carola Millgramm von der E-Control.

Eisiger Winter zapft an Gasreserven

Bedeutet das nun, dass die etwas kälteren Wintertage der letzten zwei Monate 17 Prozent unseres Füllstandes aufgebraucht haben? Eine überschlägige Betrachtung spricht dagegen. Der temperaturbedingte Mehrverbrauch durch einen kälteren Dezember und Jänner erklärt nur einen Bruchteil des Rückgangs, der sich gegenüber dem Vorjahr zeigt. Der deutlich niedrigere Speicherstand ist daher nicht allein auf das Wetter zurückzuführen. Ausschlaggebend sind strukturelle Faktoren wie den höheren Einsatz von Gas zur Stromerzeugung und eine insgesamt stärkere Nutzung der Speicher durch Nicht-Österreichische Marktteilnehmer.

20 Terawattstunden Sicherheitspolster

Der aktuelle Füllstand fällt im Vergleich zu den vorangegangenen, milderen Wintern zwar deutlich geringer aus, im langjährigen Durchschnitt sei er aber nicht ungewöhnlich. Auch war die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen wie Wasser, Wind und Sonne zuletzt vergleichsweise gering, was den Gaseinsatz zur Stromproduktion erhöhte. Grund zur Sorge gebe es nicht – Österreich hat nicht nur größere Gasspeicher als andere Länder, sondern auch eine strategische Gasreserve angelegt. „Die 20 Terawattstunden sind immer noch vollständig vorhanden“, sagte die Leiterin der Gas-Abteilung bei der E-Control am Donnerstag im Ö1-„Morgenjournal“. „Sie sind ja auch tatsächlich für einen Notfall gedacht, der bisher noch nicht eingetreten ist.“ Gleichzeitig fließen die Gasimporte über Deutschland normal weiter.

Halb voll – halb leer

Was jedoch als „gewöhnlich“ gilt, bleibt unscharf. Der Verweis auf einen „langjährigen Durchschnitt“ blendet aus, dass Österreichs Gasspeicher in den Jahren vor der Energiekostenexplosion am Winterbeginn häufig zu 80 bis über 90 Prozent gefüllt waren und selbst zu vergleichbaren Zeitpunkten im Winter oft höhere Stände aufwiesen als heuer. Der Vergleich mit außergewöhnlich milden Wintern der jüngeren Vergangenheit relativiert den aktuellen Füllstand.

Der kältebedingte Mehrverbrauch erklärt nur einen begrenzten Teil der Differenz, während strukturelle Faktoren wie der deutlich gestiegene Gaseinsatz zur Stromerzeugung, geringere Einspeicherungen im Sommer und die marktwirtschaftliche Nutzung der Speicher kaum thematisiert werden. Auch der Hinweis auf strategische Reserven ändert nichts daran, dass diese bewusst unangetastet bleiben sollen und für die laufende Versorgung nicht zur Verfügung stehen.

Trotzdem, kein Grund zur Sorge.

(red)

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