Grundwasser erreicht neue Negativrekorde
36 von 227 Grundwassermessstellen in Österreich verzeichnen den niedrigsten Stand seit Beginn der jeweiligen Messungen.
Das Grundwasser in Österreich steht unter Druck. Eine Auswertung der Umweltschutzorganisation Greenpeace von 227 Grundwassermessstellen zeigt, dass rund die Hälfte der Pegel Mitte Oktober auf einem für diesen Zeitpunkt ungewöhnlich niedrigen Niveau liegt. Bei 36 der untersuchten Messstellen wurde sogar der niedrigste Stand seit Beginn der jeweiligen Messungen registriert. Besonders viele historische Tiefstände gibt es in der Steiermark mit neun Messstellen, gefolgt von Oberösterreich mit acht und Niederösterreich mit sieben. In Salzburg und dem Burgenland verzeichnen jeweils vier Messstellen einen Negativrekord, in Tirol und Vorarlberg jeweils zwei. In Kärnten liegen zwar rund ein Drittel der Messstellen auf einem für Mitte Oktober rekordniedrigen Niveau, historische Allzeittiefs wurden dort laut Greenpeace nicht erreicht. Insgesamt befinden sich damit 36 der 227 untersuchten Messstellen, also 16 Prozent, auf dem niedrigsten Stand seit Messbeginn.
Wasserreserven vor dem Winter
Greenpeace warnt angesichts der niedrigen Pegel vor einer angespannten Ausgangslage für die kommenden Monate. Die Wasserreserven seien deutlich geschrumpft. Sollten auch in der kalten Jahreszeit größere Mengen an Schnee und Regen ausbleiben, könnte sich die Situation weiter verschärfen. Wasserexperte Sebastian Theissing-Matei spricht von einer „reinsten Durststrecke“ für das Grundwasser. Mit stark geschrumpften Wasserreserven in den Winter zu starten, sei im Vergleich zum Vorjahr besorgniserregend.
Schnelleres Wasserentnahme-Register
Greenpeace fordert von Wasserminister Norbert Totschnig (ÖVP), den Ausbau des geplanten Wasserentnahme-Registers zu beschleunigen. Der derzeit vorgesehene Vollausbau ab 2032 komme angesichts der Entwicklung zu spät. Zusätzlich verlangt die Umweltschutzorganisation eine nationale Wasserstrategie sowie eine Abgabe auf die Grundwasserentnahme durch industrielle Großverbraucher. Vorgeschlagen werden zehn Cent pro Kubikmeter. Die Einnahmen sollen zweckgebunden in den Ausbau eines dürrefesten Trinkwassersystems fließen. Laut einer Greenpeace-Berechnung könnten damit jährlich mehr als 30 Millionen Euro für entsprechende Maßnahmen zur Verfügung stehen.
(APA/red)