Heizen zwischen Komfort und Risiko
Wer in schlecht isolierten Wohnungen mit alten Heizungen lebt, setzt sich einem unsichtbaren, tödlichen Risiko aus: Kohlenmonoxid.

Wenn im Winter die Heizkosten steigen, beginnt für viele Menschen ein gefährlicher Balanceakt. Sie drehen die Heizung herunter, schließen Fenster konsequenter als sonst und greifen zu alternativen Wärmequellen. Was als Sparmaßnahme gedacht ist, kann tödlich enden. Kohlenmonoxid, kurz CO, ist eines der gefährlichsten Gase im Haushalt – unsichtbar, geruchlos und besonders im Winter eine reale Bedrohung für Menschen in Energiearmut.
Ein Gas, das man nicht riecht
Kohlenmonoxid entsteht bei der unvollständigen Verbrennung von Gas, Öl, Holz oder Kohle. In Wohnungen gelangt es meist durch defekte oder schlecht gewartete Heizungen, alte Gasthermen, Öfen oder durch den unsachgemäßen Einsatz von Koch- und Heizgeräten in Innenräumen. Gerade im Winter laufen diese Geräte länger und unter höherer Belastung. Gleichzeitig wird weniger gelüftet, um Wärme zu halten. Das schafft ideale Bedingungen dafür, dass sich CO unbemerkt anreichert. Medizinisch ist Kohlenmonoxid besonders tückisch, weil es den Sauerstofftransport im Blut blockiert. Bereits geringe Konzentrationen können zu Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit führen. Höhere Mengen verursachen Bewusstlosigkeit und Tod – oft im Schlaf. Viele Betroffene merken nicht, dass sie vergiftet werden. Die Symptome ähneln einer Grippe oder starker Erschöpfung, was die Gefahr zusätzlich erhöht.
Energiearmut erhöht Risiko
CO-Vergiftungen sind kein zufälliges Unglück, sondern eng mit sozialen Bedingungen verknüpft. Studien aus mehreren europäischen Ländern zeigen, dass Haushalte mit niedrigem Einkommen deutlich häufiger von CO-Zwischenfällen betroffen sind als der Durchschnitt. Der Grund liegt nicht in mangelndem Verantwortungsbewusstsein, sondern in strukturellen Zwängen. Wer wenig Geld hat, lebt häufiger in schlecht isolierten Wohnungen mit veralteten Heizsystemen. Wartungen werden aufgeschoben, Reparaturen vermieden, weil sie nicht finanzierbar sind. Hinzu kommt, dass Menschen in Energiearmut häufiger auf improvisierte Lösungen zurückgreifen. Campingkocher, alte Kohleöfen oder mobile Gasheizer werden genutzt, obwohl sie für geschlossene Räume nicht geeignet sind. Gleichzeitig fehlt oft die Sicherheitsausstattung. In vielen Ländern sind CO-Warnmelder nicht verpflichtend, und gerade in einkommensschwachen Haushalten sind sie selten vorhanden. Damit entfällt die wichtigste Frühwarnung.
Milde Winter sind kein Schutz
Entgegen der verbreiteten Annahme sind nicht die kältesten Winter die gefährlichsten. Fachleute weisen darauf hin, dass milde, feuchte Winter mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt besonders riskant sind. In dieser Wetterlage heizen viele Menschen nur minimal, Geräte laufen im ineffizienten Teillastbetrieb und Abgase ziehen schlechter ab. Wetterlagen mit wenig Luftaustausch begünstigen zusätzlich die Anreicherung von Schadstoffen in Innenräumen. Gleichzeitig wird bei mildem Wetter weniger gelüftet, weil die Kälte nicht als akut empfunden wird. Das Risiko bleibt unsichtbar, bis es zu spät ist. Feuerwehr- und Rettungsdienststatistiken zeigen, dass viele CO-Einsätze nicht bei Extremfrost stattfinden, sondern an scheinbar unspektakulären Wintertagen.
Unterschätzte Gesundheitskrise
Europaweit sterben jedes Jahr Tausende Menschen an Kohlenmonoxid-Vergiftungen im häuslichen Umfeld. Besonders hoch sind die Zahlen in Regionen mit älterem Gebäudebestand und verbreiteter Energiearmut. Fachleute gehen von einer erheblichen Dunkelziffer aus, da Todesfälle nicht immer eindeutig als CO-bedingt erkannt werden. Auch Überlebende tragen häufig langfristige Schäden davon, darunter neurologische Beeinträchtigungen und Herzprobleme. Regelmäßige Wartung von Heizgeräten, funktionierende Abgasführung und der Einsatz von CO-Warnmeldern können dieses Risiko drastisch senken.
(red)