IG Windkraft beklagt zu wenig Rückenwind
Während Österreich bremst, die USA abwinken und China den Markt dominiert, gerät der Ausbau ins Stocken.
Der Ausbau der Windkraft in Österreich könnte deutlich schneller vorankommen. Technisch, finanziell und planerisch wären große Schritte möglich – politisch jedoch fehlt der nötige Rückenwind. Das zeigt eine aktuelle Bilanz der IG Windkraft, die am Donnerstag in Wien auf die wachsende Lücke zwischen Ausbauzielen und Realität hingewiesen hat.
Derzeit befinden sich Windkraftprojekte mit einer Leistung von rund 3.400 Megawatt in unterschiedlichen Phasen der Planung oder Genehmigung. Zum Vergleich: Die aktuell installierte Gesamtleistung in Österreich liegt bei 4.221 Megawatt. Rein rechnerisch ließe sich die Stromerzeugung aus Windkraft damit nahezu verdoppeln – innerhalb weniger Jahre. Doch genau daran hapert es.
Genehmigungen als Engpass
Nach Angaben von Florian Maringer, Geschäftsführer der IG Windkraft, sind langwierige Genehmigungsverfahren das zentrale Problem. Es fehle an Personal in den Behörden, aber auch an Kapazitäten bei den Gerichten. Hinzu komme eine politische Unsicherheit, die Investitionen erschwere. „Wir könnten diese Projekte heute bauen“, so Maringer, „aber ohne klare politische Rahmenbedingungen bleibt vieles liegen.“
Dabei wären die nationalen und europäischen Ziele grundsätzlich erreichbar. Sowohl das Ausbauziel im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz als auch die im Nationalen Energie- und Klimaplan gemeldeten Vorgaben könnten mit den geplanten Projekten erfüllt werden. Am Geld scheitert es laut IG Windkraft nicht: Banken und auch die Europäische Investitionsbank stehen bereit, Windkraftprojekte in Österreich zu finanzieren. Das eigentliche Risiko liege im politischen Umfeld.
Globaler Markt, lokale Blockaden
Der österreichische Stillstand fällt in eine Phase, in der sich der globale Windkraftmarkt neu sortiert. In den USA wird der Ausbau politisch zunehmend bekämpft, während China seine Rolle als dominanter Hersteller und Exporteur von Windkraftanlagen weiter ausbaut. Chinesische Unternehmen liefern Turbinen, Rotorblätter und zentrale Komponenten inzwischen in alle Welt – auch nach Europa.
Für Österreich bedeutet das eine wachsende Abhängigkeit von internationalen Lieferketten. Selbst wenn neue Windparks genehmigt würden, käme ein erheblicher Teil der Technik aus China. Während dort Windkraft industriepolitisch als Exportgeschäft betrieben wird, bleibt sie im eigenen Energiemix nur ein Baustein unter vielen – Kohle spielt weiterhin eine zentrale Rolle.
Zubau unter Erwartungen
Im Jahr 2025 gingen in Österreich 48 neue Windkraftanlagen mit einer Leistung von rund 285 Megawatt ans Netz. Das war mehr als im Jahr davor, blieb jedoch hinter den Spitzenjahren 2021 bis 2023 zurück. Für 2026 rechnet die IG Windkraft mit einem weiteren moderaten Zubau von 44 Anlagen und 251 Megawatt.
Der Befund ist klar: Der Wind weht, die Projekte sind da, das Kapital ebenfalls. Was fehlt, sind raschere Verfahren und verlässliche politische Signale. Andernfalls droht Österreich nicht nur seine Klimaziele zu verfehlen.
(APA/red)
