Meeresschutz in der Praxis: Zwischen Plan und Realität

Der Meeresschutz gewinnt international an Bedeutung, doch nur konsequenter Schutz kann die Ozeane langfristig bewahren.

08.01.2026 15:39
red04
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Insgesamt existieren inzwischen mehr als 16.600 Meeresschutzgebiete.

Im Dezember 2022 verpflichteten sich nahezu 200 Staaten, bis zum Jahr 2030 rund 30 Prozent der Land- und Meeresflächen der Erde unter Schutz zu stellen. Drei Jahre später zeigt sich: Beim Schutz der Ozeane gibt es zwar Bewegung, doch der Weg zum Ziel ist noch lang. Nach aktuellen Daten der World Database on Protected Areas sind im Jahr 2025 etwa 9,6 Prozent der weltweiten Meeresflächen als Schutzgebiete ausgewiesen. Das bedeutet einen moderaten Anstieg gegenüber 2024, als der Anteil noch bei 8,4 Prozent lag.

Große Flächen, begrenzter Schutz

Insgesamt existieren inzwischen mehr als 16.600 Meeresschutzgebiete, die zusammen fast 35 Millionen Quadratkilometer der Ozeane abdecken – eine Fläche, die mehr als doppelt so groß ist wie Russland. Doch hinter diesen beeindruckenden Zahlen verbirgt sich ein Problem: Nur ein sehr kleiner Teil dieser Gebiete genießt tatsächlich strengen Schutz. Nach Einschätzung des Marine Conservation Institute gelten lediglich 3,2 Prozent der ausgewiesenen Flächen als hoch oder vollständig geschützt. In vielen sogenannten Schutzgebieten sind weiterhin umweltschädliche Aktivitäten wie industrielle Fischerei oder Grundschleppnetzfischerei erlaubt, was den ökologischen Nutzen stark einschränkt.

Neue Impulse aus dem Pazifik und Südasien

Trotz dieser Schwächen brachte das Jahr 2025 einige wichtige Initiativen hervor. Besonders im Pazifikraum wurden ambitionierte Schutzpläne angekündigt. So erklärte Französisch-Polynesien im Juni, die gesamte eigene Wirtschaftszone im Pazifik unter Schutz stellen zu wollen. Ein bedeutender Teil dieser riesigen Meeresfläche soll frei von Fischerei und Rohstoffabbau bleiben, auch wenn die rechtliche Umsetzung noch aussteht. Auch die Philippinen setzten ein Zeichen für den Meeresschutz. Mit der Ausweisung eines neuen Schutzgebiets rund um die Insel Panaon wurde ein ökologisch besonders wertvolles Gebiet im sogenannten Korallendreieck gesichert – einer Region mit der höchsten marinen Artenvielfalt weltweit. Dort finden unter anderem bedrohte Walhaie und seltene Vogelarten wichtige Rückzugsräume. In Südasien erklärte Pakistan mit der Lagune Miani Hor sein drittes Meeresschutzgebiet. Zwar ist die Fläche vergleichsweise klein, doch sie schützt empfindliche Mangrovenwälder und dient zahlreichen bedrohten Tierarten als Lebensraum.

Inselstaaten als Vorreiter

Mehrere Inselstaaten gingen noch einen Schritt weiter. Samoa schaffte es, durch die Ausweisung neuer Schutzgebiete 30 Prozent seiner Meeresflächen unter Schutz zu stellen und erfüllte damit bereits heute ein zentrales Ziel der internationalen Vereinbarungen. Auch die Marshallinseln sorgten für Aufmerksamkeit, indem sie eines der ursprünglichsten Korallenriffe der Erde unter Schutz stellten. In dem abgelegenen Gebiet im Nordpazifik findet sich eine außergewöhnlich hohe Fischbiomasse und nahezu unberührte Rifflandschaften.

Zwischen Hoffnung und Herausforderung

Die Entwicklungen des Jahres 2025 zeigen, dass der Meeresschutz international an Bedeutung gewinnt. Gleichzeitig wird deutlich, dass die bloße Ausweisung von Schutzgebieten nicht ausreicht. Entscheidend ist, wie streng diese Gebiete tatsächlich geschützt werden und ob schädliche Nutzungen konsequent ausgeschlossen bleiben. Nur dann kann das ambitionierte Ziel, die Ozeane langfristig zu bewahren, erreicht werden.

(red)

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