Mega-Raffinerie bedroht Küstenökosystem in Kenia

Kenias geplante Mega-Raffinerie verspricht Arbeitsplätze, sorgt auf der Tourismusinsel Lamu aber für Umweltbedenken und Proteste.

15.10.2026 11:17
red04
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Umweltorganisationen warnen vor möglichen Schäden für eines der empfindlichsten Küstenökosysteme Ostafrikas.

Auf der kenianischen Insel Lamu treffen wirtschaftliche Hoffnungen auf Sorgen um Umwelt und Lebensgrundlagen. An der Küste entsteht eine 16 Milliarden Dollar schwere Raffinerie, die als größtes Industrieprojekt in der Geschichte Kenias gilt. Die Regierung verspricht zehntausende Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Aufschwung. Bewohner und Umweltorganisationen warnen dagegen vor möglichen Folgen für empfindliche Küstenökosysteme, Fischerei und Tourismus. Lamu ist für seine historische Altstadt aus dem 12. Jahrhundert und seine Strände bekannt. Die Insel im Indischen Ozean gilt als beliebtes Reiseziel. Autos gibt es auf der Insel nicht, für den Transport werden vielfach Esel eingesetzt. Nun soll an der Küste ein riesiger Komplex zur Verarbeitung fossiler Brennstoffe entstehen. Der nigerianische Unternehmer Aliko Dangote plant dort die zweitgrößte Raffinerie Afrikas. Der Betrieb soll bereits 2030 aufgenommen werden.

Umweltbedenken rund um das Projekt

Das Megaprojekt wurde erstmals im April ins Spiel gebracht, im Juli fiel die Standortentscheidung für Kenias Nordostküste. Anfang Oktober wurde offiziell mit den Bauarbeiten begonnen. Für die Bewohner blieb damit vergleichsweise wenig Zeit, sich mit den möglichen Auswirkungen auseinanderzusetzen. Einige Anwohner haben bereits Klage gegen das Projekt eingereicht und befürchten eine Verletzung ihrer Besitzrechte. Umweltorganisationen wie Greenpeace warnen vor möglichen Schäden für eines der empfindlichsten Küstenökosysteme Ostafrikas. Auch die fehlende Beteiligung der Bevölkerung wird kritisiert. Bereits Anfang Oktober protestierten dutzende Menschen in der historischen Altstadt. Die auf Lamu lebende Künstlerin Salwa Mahmoud bemängelte gegenüber AFP, eine Umweltverträglichkeitsprüfung hätte vor Beginn der Bauarbeiten erfolgen müssen.

Versprochene Arbeitsplätze

Die Regierung und Dangote verweisen auf die wirtschaftlichen Chancen. Die Raffinerie soll 60.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze schaffen. Zusätzlich ist ein Ausbildungszentrum für 1.000 junge Menschen geplant. Ob diese Versprechen der lokalen Bevölkerung zugutekommen, wird allerdings bezweifelt. Kritiker befürchten, dass vor allem Zugezogene von den neuen Arbeitsplätzen profitieren könnten. Said Hassan von der Lamu Arts and Theatre Alliance kritisiert zudem, dass die Gemeinden von Beginn an nicht ausreichend einbezogen worden seien. Präsident William Ruto verteidigte das Projekt und warf Gegnern zunächst vor, die Entwicklung des Kontinents auszubremsen. Gleichzeitig versicherte er den Bewohnern, ihre Anliegen würden gehört und die ökologischen und sozialen Auswirkungen des Projekts geprüft.

Gefahr für Fischerei und Tourismus

Besonders betroffen könnten jene Wirtschaftszweige sein, die heute von der natürlichen Umgebung Lamus abhängen. Dazu zählen die Fischerei und der Tourismus. Nach Angaben des Tourismusanbieters Famau hängt rund 90 Prozent der Insel von der Tourismusbranche ab. Für die Branche könnte die industrielle Nutzung der Küste das bisherige Umfeld grundlegend verändern.

(APA/red)

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