Menopause führt zu Verlust von Gehirnsubstanz
Der Hormonwechsel in den Wechseljahren geht mit Veränderungen in Regionen des Gehirns einher, die für Gedächtnis und Aufmerksamkeit wichtig sind.
Die Menopause ist für viele Frauen eine bekannte hormonelle Übergangsphase, doch eine aktuelle Studien zeigt, dass sie weit mehr bewirkt als bloß das Ende der Fruchtbarkeit. Forschende weisen darauf hin, dass die Wechseljahre auch messbare Veränderungen im Gehirn hervorrufen können – Veränderungen, die womöglich erklären, warum Frauen ein höheres Risiko für Demenzerkrankungen wie Alzheimer tragen.
Gehirnmasse schrumpft
Eine großangelegte Studie der University of Cambridge untersuchte fast 125.000 Frauen und ließ bei einem Teil von ihnen MRT-Scans anfertigen. Das Ergebnis war eindeutig: Postmenopausale Frauen wiesen in bestimmten Hirnregionen deutlich weniger graue Substanz auf, darunter Bereiche, die für Gedächtnis, Aufmerksamkeit und emotionale Verarbeitung entscheidend sind. Besonders betroffen waren der Hippocampus und der präfrontale Kortex – Regionen, die auch bei Alzheimer-Patientinnen stark degenerieren. Die Forschenden sehen in diesen Veränderungen einen möglichen Beitrag dazu, dass Frauen fast doppelt so häufig an Demenz erkranken wie Männer.
Hormonersatztherapie: Kein Schutz für die graue Substanz
Viele Frauen hoffen, dass eine Hormonersatztherapie (HRT) die Auswirkungen der Menopause auf das Gehirn abmildern könnte. Die bisherigen Studienergebnisse sind jedoch ernüchternd: Frauen, die HRT nahmen, zeigten ähnliche Veränderungen der grauen Substanz wie diejenigen, die keine Therapie erhielten. Einige Untersuchungen deuten lediglich an, dass HRT die Reaktionszeit verbessern oder kognitive Funktionen leicht stabilisieren kann, doch ein Schutz vor dem messbaren Abbau der Gehirnmasse konnte bisher nicht nachgewiesen werden.
Emotionale und kognitive Begleiterscheinungen
Die Veränderungen im Gehirn gehen oft mit spürbaren Symptomen einher. Viele Frauen berichten in der Menopause von Müdigkeit, schlechtem Schlaf, Angstgefühlen und depressiven Verstimmungen. Auch der sogenannte „brain fog“, die subjektive Wahrnehmung geistiger Benebelung, ist weit verbreitet. Experten betonen, dass diese Symptome sowohl hormonell als auch durch altersbedingte und psychosoziale Faktoren beeinflusst werden können.
Noch offene Fragen
Trotz der beunruhigenden Befunde handelt es sich bisher überwiegend um Querschnittsstudien – Momentaufnahmen, die zeigen, dass Veränderungen existieren, ohne jedoch den kausalen Zusammenhang zwischen Menopause und Demenz endgültig zu belegen. Langzeitstudien, die untersuchen, wie stark die Menopause tatsächlich zum Erkrankungsrisiko beiträgt, stehen noch aus. Zudem bleiben Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Bewegung und Schlaf wichtige Einflussgrößen, die das Risiko kognitiver Erkrankungen modulieren können.
(red)