Natur als Vorbild für sparsamere Flugzeuge

Eine künstliche Haifischhaut soll den Luftwiderstand von Flugzeugen verringern und dadurch Kerosinverbrauch und CO₂-Emissionen senken.

09.09.2026 15:44
red04
© APA/dpa/Katharina Kausche
An einem Airbus A330 der Ferienfluggesellschaft Discover Airlines wird derzeit erstmals eine sogenannte Aeroshark-Folie für diesen Flugzeugtyp installiert.

Die Haut des Haifischs ist für eine effiziente Fortbewegung im Wasser optimiert. Ihre Oberfläche weist mikroskopisch kleine, parallel verlaufende Rillen auf, die die Strömung beeinflussen und den Reibungswiderstand verringern. Dieses Prinzip soll nun auch Flugzeuge effizienter machen. An einem Airbus A330 der Ferienfluggesellschaft Discover Airlines wird derzeit erstmals eine sogenannte Aeroshark-Folie für diesen Flugzeugtyp installiert. Die Arbeiten finden bei den Elbe Flugzeugwerken in Dresden statt. Entwickelt wurde die Technologie von Lufthansa Technik gemeinsam mit Surventis. Für bestimmte Varianten der Boeing 777 ist sie bereits zugelassen.

Ein Prinzip aus der Natur

Die besonderen Eigenschaften der Haifischhaut sind seit Jahrzehnten bekannt. Ihre feinen Rillen können Verwirbelungen reduzieren und die Strömung entlang des Körpers verändern. Dieses Prinzip wird bei Aeroshark auf eine hauchdünne Folie übertragen. Die Rillen sind nur rund 50 Mikrometer tief – etwa halb so viel wie die Dicke eines menschlichen Haares. Auf dem Airbus A330 werden zunächst Rumpf und Triebwerksverkleidungen damit versehen. Rund 880 Quadratmeter Folie müssen dafür aufgebracht werden. Die Montage dauert etwa zehn Tage. Perspektivisch könnten auch Tragflächen und Leitwerk mit der Folie ausgestattet werden. Das wäre technisch anspruchsvoller, weil diese Flächen unmittelbar für Auftrieb und Steuerung des Flugzeugs verantwortlich sind.

Weniger Kerosin durch weniger Widerstand

Nach Angaben von Lufthansa Technik kann die Technologie den Treibstoffverbrauch eines Flugzeugs um etwa ein bis 1,2 Prozent reduzieren. Wenn künftig weitere aerodynamische Flächen einbezogen werden, sollen Einsparungen von bis zu rund zwei Prozent möglich sein. Für ein einzelnes Flugzeug erscheint das zunächst wenig. Bei Langstreckenmaschinen können sich solche Effekte über den täglichen Betrieb jedoch summieren. Laut Lufthansa Technik kann eine Verbrauchsreduktion von einem Prozent bei einem Langstreckenflugzeug knapp eine Tonne Kerosin pro Tag einsparen. Die bisherige Bilanz des Unternehmens: Mit Aeroshark ausgerüstete Flugzeuge hätten bis April 2026 mehr als 350.000 Flugstunden absolviert und dabei mehr als 20.600 Tonnen Kerosin eingespart. Die CO₂-Emissionen seien dadurch um mehr als 65.000 Tonnen reduziert worden.

Ein Baustein, kein Klimaretter

Eine Verbrauchsreduktion von ein oder zwei Prozent macht den Luftverkehr nicht klimafreundlich. Sie kann aber den Energiebedarf bestehender Flugzeuge senken. Damit reiht sich die Technologie in eine Vielzahl von Maßnahmen ein, mit denen der Luftverkehr effizienter werden soll. Ob die Folie am Airbus A330 tatsächlich die erwarteten Einsparungen bringt, wird nun unter realen Bedingungen untersucht. Dafür wurde das Testflugzeug mit zusätzlicher Messtechnik ausgestattet. Flüge vor und nach der Installation sollen zeigen, wie sich die Oberfläche auf das Flugverhalten und den Verbrauch auswirkt. Erst danach lässt sich beurteilen, wie groß der tatsächliche Nutzen der künstlichen Haifischhaut ist.

(APA/red)

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