ÖAMTC: 65 getötete Radfahrer im Vorjahr

Die Verdopplung tödlicher Fahrradunfälle in Österreich wirft Fragen zu Tempo, Technik und Verantwortung auf.

26.01.2026 14:18
Redaktion
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Radfahrer auf Wiens Straßen

2025 markiert ein besonders verlustreiches Jahr: 65 getötete Radfahrer wurden gezählt – so viele wie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die vom ÖAMTC zitierten vorläufigen Zahlen aus dem Innenministerium markieren einen drastischen Einschnitt: Gegenüber 2024 hat sich die Zahl der Todesopfer verdoppelt. Besonders auffällig ist der Anteil der E-Bikes. 31 der Verunglückten waren mit elektrischer Unterstützung unterwegs.

Tempo als unterschätzter Risikofaktor

Ein zentraler Befund liegt abseits klassischer Konflikte mit dem Autoverkehr: Rund die Hälfte aller Fahrradunfälle sind mittlerweile Alleinunfälle. Das deutet auf Selbstverschulden, Kontrollverlust und vor allem auf überhöhte Geschwindigkeit hin. E-Bikes ermöglichen hohe Dauertempi, oft ohne entsprechende Fahrpraxis, Schutzkleidung oder Risikobewusstsein. Der technische Fortschritt ist schneller als die Anpassung im Verhalten.

Fahrrad oder doch eher Moped?

Damit stellt sich eine unbequeme Grundsatzfrage: Bewegen sich moderne E-Bikes funktional nicht längst näher am Moped? Gewicht, Beschleunigung und Durchschnittsgeschwindigkeit unterscheiden sich deutlich vom herkömmlichen Rad. Rechtlich bleiben sie dennoch Fahrräder – ohne Kennzeichen, ohne verpflichtende Schulung, meist ohne Helm.

Appelle reichen nicht mehr aus

Der ÖAMTC verweist auf die Bedeutung des Helmtragens und fordert Maßnahmen auf Basis fundierter Unfallforschung. Doch wenn sich Todeszahlen innerhalb eines Jahres verdoppeln, reicht Sensibilisierung allein wohl nicht mehr. Denkbar wären klare Regeln für E-Bikes: verpflichtende Helme, technische Tempobegrenzungen, Schulungen sowie eine differenziertere rechtliche Einordnung für verursachte Schäden.

(APA/red)

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