Österreichs eiserne Reserve: Die Gletscherwässer

Die eisigen Wahrzeichen Österreichs schmelzen schneller denn je, nun werden Reformen gefordert.

19.03.2025 12:26
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Das Schlatenkees der größte Talgletscher Osttirols.

Österreichs Gletscher sind wichtige Wasserreserven, die in Trockenzeiten Flüsse, Bäche und Grundwasser speisen. Doch durch den Klimawandel schmelzen sie rasch, wodurch diese wertvolle Reserve zunehmend schrumpft und langfristig Engpässe drohen. Der Klimawandel macht auch vor den Alpen nicht Halt. Der Gletscherbericht 2023/24 dokumentierte einen durchschnittlichen Rückzug der Gletscher um 24,1 Meter – ein alarmierendes Signal. Besonders bedenklich ist die Tatsache, dass europäische Gebirgsregionen sich etwa doppelt so schnell erwärmen wie der Rest des Kontinents.

Schutzgebiete für Gletscher

Die aktuellen Entwicklungen führen zu einem dringenden Appell an die Politik: Es braucht sofortige und wirksame Maßnahmen zum Schutz dieser einzigartigen Naturräume. Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes, fordert eine stärkere gesetzliche Regulierung und den Stopp der steigenden Nutzung von alpinen Regionen für Tourismus- und Energieprojekte. Insbesondere spricht er sich für die Ausweisung von Gletscherflächen und ihren sensiblen Vorfeldern als Prozessschutzgebiete aus. Diese Gebiete wären dann vor schädlichen Eingriffen geschützt und könnten sich auf natürliche Weise weiterentwickeln.

„In spätestens 50 Jahren wird Österreich de facto eisfrei sein. Jetzt sind klare Maßnahmen gefragt“, so Maier. Die Ausweisung solcher Schutzgebiete würde nicht nur die Gletscher, sondern auch die landschaftlich und ökologisch wertvollen Gebirgsvorländer wie Sanderseen und Toteislöcher bewahren.

Tourismusprojekte im Spannungsfeld

Der geplante Ausbau von Skigebieten, wie etwa am Pitztaler und Kaunertaler Gletscher, steht im Widerspruch zu den dringenden Schutzforderungen. Wolfgang Schnabl, Präsident des Österreichischen Alpenvereins, weist darauf hin, dass solche Projekte angesichts des beschleunigten Gletscherschwunds ein falsches Signal senden.

„Die Gletscher sterben schneller als je zuvor, und dennoch werden touristische Infrastrukturprojekte vorangetrieben, die den Druck auf diese sensiblen Ökosysteme weiter erhöhen“, betont Schnabl.

Internationale Zusammenarbeit als Schlüssel

Angesichts der globalen Dimension des Gletscherschwundes ist eine internationale Zusammenarbeit dringend erforderlich. Stephan Tischler, Vorsitzender von CIPRA Österreich, schlägt vor, die „Alpine Raumordnung“ grenzüberschreitend zu koordinieren, um die verschiedenen Nutzungsinteressen und Schutzaspekte in den Alpenregionen abzusichern. Dies könnte helfen, den Verlust von Gletschern und ihren angrenzenden Lebensräumen zu verhindern und gleichzeitig die verschiedenen Bedürfnisse der Region zu berücksichtigen.

Ein Appell an die Politik

Um die Forderungen nach einem besseren Schutz der Gletscher zu unterstützen, hat der Umweltdachverband das „European Manifesto for a Governance of Glaciers and Connected Resources“ unterzeichnet, das am 20. März 2025 auf der Website der italienischen Umweltschutzorganisation Legambiente veröffentlicht wurde. Der Schutz der Gletscher erfordert nicht nur lokale, sondern auch internationale Maßnahmen, um die Alpenregionen langfristig zu bewahren.

(PA/red)

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