Pestizid-Cocktails in EU-Äpfeln entdeckt
Die Analyse europäischer Apfelproben offenbart Rückstände von PFAS, Neurotoxinen und anderen Chemikalien.
Äpfel gelten als Inbegriff gesunder Ernährung, sie sind alltäglich, vertraut und bei Groß und Klein beliebt. Doch eine aktuelle Untersuchung des Pesticide Action Network (PAN) Europe zeigt, dass die scheinbar unbeschwerte Frucht in Europa zunehmend zu einem Spiegel der chemischen Belastungen wird, denen unsere Lebensmittel ausgesetzt sind. Die Studie analysierte fast sechzig Apfelproben aus mehreren EU-Ländern. Das Ergebnis: Viele Früchte enthalten nicht nur einzelne Pestizide, sondern ganze Mischungen chemischer Substanzen, darunter PFAS, sogenannte „forever chemicals“, und neurotoxische Wirkstoffe.
Mehr als nur einzelne Rückstände
Besonders besorgniserregend ist nicht unbedingt das Vorhandensein eines einzelnen Pestizids, sondern die Kombination mehrerer Substanzen in einem einzigen Apfel. Die Forschung spricht hier von „Cocktail-Effekten“: Auch wenn jeder Wirkstoff für sich genommen innerhalb gesetzlicher Grenzwerte liegt, können sich ihre Effekte addieren oder gegenseitig verstärken. PAN Europe weist darauf hin, dass derzeitige EU-Risikobewertungen diese kumulativen Effekte nur unzureichend berücksichtigen. Für Kinder, deren Organismus besonders empfindlich auf Schadstoffe reagiert, könnte dies theoretisch zu einer höheren Belastung führen.
Bedeutung für Österreich
Direkte Messungen österreichischer Äpfel wurden in der aktuellen Studie nicht durchgeführt, dennoch ist Österreich als EU-Mitglied grundsätzlich betroffen. Äpfel aus anderen EU-Ländern gelangen auch auf heimische Märkte, und die gleichen Pestizid-Rückstandsgesetze gelten europaweit. Nationale Kontrollen zeigen, dass österreichische Äpfel in der Regel innerhalb der erlaubten Grenzwerte liegen, doch die Kombination verschiedener chemischer Rückstände bleibt ein Thema von Interesse – sowohl für Verbrauchern als auch für die Behörden.
Zwischen Verbraucherschutz und Landwirtschaft
Die intensive Behandlung von Äpfeln ist in Europa weit verbreitet, da Obstbäume anfällig für Krankheiten wie Apfelschorf sind. Die aktuelle Studie macht deutlich, dass auch in einem streng regulierten Markt chemische Rückstände nicht vollständig vermieden werden können. Für die Verbraucher bedeutet dies, bewusste Entscheidungen zu treffen, sei es durch den Kauf von Bio-Produkten oder das Schälen von konventionellen Äpfeln. Gleichzeitig verdeutlicht die Untersuchung die Notwendigkeit, die Regulierung weiterzuentwickeln, um gesundheitliche Risiken besser abzuschätzen und den Schutz von besonders empfindlichen Gruppen zu erhöhen.
(red)