Regen und Schnee auf Schadstoffkurs
Wenn Regen und Schnee Straßen und Dächer abwaschen, gelangen Schadstoffe wie Metalle, Mikroplastik und Salze direkt in unsere Flüsse.
In Städten wirkt fast jede Straßenfläche wie ein stiller Schadstoffspeicher. Autos hinterlassen feinen Abrieb von Reifen und Bremsen, Industriegebiete setzen Spuren von Schwermetallen frei, und selbst das Dach über unseren Köpfen kann Metalle wie Zink oder Kupfer abgeben. Bei Regen spült das Wasser diese Schadstoffe von Asphalt und Dachziegeln ab und trägt sie direkt in die Kanalisation oder, oft ungefiltert, in Flüsse und Seen. Dort reichern sich Metalle, Mikroplastik und polyzyklische Kohlenwasserstoffe in Sedimenten und Organismen an, mit Folgen für das gesamte Ökosystem.
Schnee als latenter Schadstoffspeicher
Der Winter verändert die Dynamik. Schnee sammelt sich auf Straßen, Parkplätzen und Dächern und wirkt zunächst wie ein natürlicher Schutzschild. Doch während die weiße Decke wächst, lagern sich Feinstaub, Mikroplastik und Streusalz in den Schneeschichten ab. Wenn Tauwetter oder Regen einsetzen, wird diese Schadstofflast plötzlich freigesetzt. Schmelzwasser transportiert die Partikel und gelösten Metalle in die Gewässer, oft konzentrierter und schädlicher als es ein normaler Regenfall bewirken würde. Besonders kleine Stadtbäche spüren diese Wirkung, denn sie können die Last kaum verdünnen.
Doppelte Belastung
Aktuelle Wetterlagen mit wechselnden Regen- und Schneefällen machen dieses Problem besonders sichtbar. Während milder Regen Schadstoffe eher kontinuierlich in Flüsse spült, sorgt das Aufweichen und Schmelzen von Schnee für punktuelle „Pulse“ von hoher Konzentration. In Kombination entstehen Situationen, in denen die Umwelt gleich doppelt belastet wird: zunächst durch den Regen, dann durch die Schmelze, die zusätzlich gelöste Metalle, Mikroplastik und Salze aus der Schneeschicht freisetzt. Ökologisch betrachtet sind diese Spitzenbelastungen gefährlich, da sie Fische, Wirbellose und Wasserpflanzen stark stressen können.
Unsichtbare Folgen
Viele Menschen bemerken diesen Kreislauf kaum. Das Wasser erscheint sauber, doch in den Sedimenten lagern sich toxische Metalle und PAK an, Mikroplastik reichert sich in Nahrungsketten an, und die winterliche Kombination von Schnee und Regen führt zu einem chronischen Schadstoffeintrag, der Jahr für Jahr zunimmt. Selbst Dachrinnen aus Metall, die oft als dekoratives Detail übersehen werden, tragen dazu bei. Mit dem Klimawandel und häufigeren Starkregen- sowie Tauereignissen wird diese Problematik noch akuter. Städte stehen vor der Herausforderung, Regen- und Schmelzwasser so zu lenken, dass Schadstoffe nicht ungehindert in Gewässer gelangen. Bis Lösungen umgesetzt werden, bleibt jede winterliche Schneeschmelze ein stiller, aber wirkungsvoller Schadstofftransporter, der unsere Flüsse und Seen belastet – ein Phänomen, das sowohl im Regen als auch im Schnee sichtbar wird.
(red)
