Reichstes Prozent nutzt CO₂-Budget in zehn Tagen
Bereits am 10. Jänner hatten die reichsten ein Prozent ihr CO₂-Budget für 2026 erschöpft – ein Weckruf für dringend notwendige Klimagerechtigkeit.
Die reichsten ein Prozent der Weltbevölkerung haben ihren fairen Anteil am globalen CO₂-Budget für das Jahr 2026 bereits nach rund zehn Tagen aufgebraucht. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Analyse der Entwicklungsorganisation Oxfam, die Anfang Jänner veröffentlicht wurde. Die Studie macht erneut deutlich, wie extrem ungleich die Verantwortung für die Klimakrise verteilt ist – und wie stark diese Ungleichheit die Einhaltung der internationalen Klimaziele gefährdet.
Symbol der Ungleichheit
Oxfam bezeichnet den Moment, an dem die reichsten ein Prozent ihr rechnerisches Jahresbudget an Emissionen verbraucht haben, als „Pollutocrat Day“. Im Jahr 2026 fiel dieser Tag bereits auf den 10. Jänner. Noch drastischer ist die Situation bei den Superreichen innerhalb dieser Gruppe: Die wohlhabendsten 0,1 Prozent der Weltbevölkerung hatten ihren Anteil schon nach wenigen Tagen ausgeschöpft. Grundlage dieser Berechnung ist das verbleibende globale CO₂-Budget, das notwendig wäre, um die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.
Extreme Emissionen einer kleinen Minderheit
Während ein klimaverträgliches Pro-Kopf-Budget nur bei wenigen Tonnen CO₂ pro Jahr liegen dürfte, verursacht eine einzelne Person aus dem reichsten ein Prozent im Durchschnitt ein Vielfaches davon. Diese Emissionen entstehen nicht nur durch luxuriösen Lebensstil mit Privatjets, Yachten und mehreren Immobilien, sondern auch durch Kapitalanlagen. Oxfam rechnet die Emissionen aus Investitionen in besonders klimaschädliche Branchen wie fossile Energien, Schwerindustrie oder Luftfahrt den Vermögenden mit an – ein Faktor, der die Klimabilanz der Superreichen massiv verschlechtert.
Globale Folgen für die Ärmsten
Die Folgen dieser Emissionsungleichheit treffen vor allem Menschen, die am wenigsten zur Erderwärmung beitragen. In vielen Ländern des globalen Südens führen steigende Temperaturen zu häufigeren Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfällen. Oxfam warnt, dass die übermäßigen Emissionen der reichsten Bevölkerungsgruppen langfristig Millionen zusätzliche hitzebedingte Todesfälle verursachen könnten. Gleichzeitig drohen enorme wirtschaftliche Schäden, die vor allem ärmere Staaten treffen und bestehende Ungleichheiten weiter verschärfen.
Klimakrise und Vermögensfrage
Die Analyse zeigt, dass die Klimakrise nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein soziales Problem ist. Ein sehr kleiner Teil der Menschheit nutzt einen überproportionalen Anteil der globalen Ressourcen, während der Großteil innerhalb oder sogar unterhalb eines klimaverträglichen Rahmens lebt. Ohne eine deutliche Reduktion der Emissionen der Superreichen seien die internationalen Klimaziele nach Einschätzung von Oxfam kaum erreichbar. Dass die reichsten ein Prozent ihr CO₂-Budget bereits nach zehn Tagen verbrauchen, ist mehr als eine symbolische Zahl. Es ist ein Weckruf, der zeigt, wie dringend strukturelle Veränderungen notwendig sind. Solange ein kleiner Teil der Weltbevölkerung einen so großen Anteil der Emissionen verursacht, bleibt Klimagerechtigkeit ein unerfülltes Versprechen – und das Zeitfenster zur Begrenzung der Erderwärmung schließt sich weiter.
(PA/red)