Trübe Aussichten für einige Fischarten

Der Klimawandel verändert nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Farbe vieler Gewässer – mit Folgen für Fische und Ökosysteme.

23.06.2026 14:36
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In den untersuchten Gewässern gingen braunere Wasserbedingungen mit geringeren Beständen von Seeforellen, Maränen, Flussbarschen sowie Schwarzbarschen einher.

Seen, Flüsse und Teiche in vielen Regionen Nordamerikas und Europas werden zunehmend dunkler. Was auf den ersten Blick wie eine rein optische Veränderung erscheint, hat weitreichende Folgen für die Ökosysteme unter Wasser. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die sogenannte „Freshwater Browning“ – die Braunfärbung von Süßgewässern – darüber entscheidet, welche Fischarten künftig häufiger werden und welche unter Druck geraten.

Warum Gewässer brauner werden

Die Braunfärbung entsteht vor allem durch einen höheren Eintrag organischer Kohlenstoffverbindungen aus Böden und Vegetation. Diese Stoffe gelangen durch stärkere Niederschläge und vermehrten Oberflächenabfluss in Seen und Flüsse. Als Folge des Klimawandels steigen die Temperaturen, gleichzeitig nehmen vielerorts Starkregenereignisse zu. Beides begünstigt den Transport organischer Stoffe ins Wasser. Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Die Luftverschmutzung durch sauren Regen ist in vielen Industrieländern in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Dadurch verändert sich die Chemie der Böden, was ebenfalls dazu beiträgt, dass mehr Kohlenstoffverbindungen in Gewässer ausgewaschen werden. Das Wasser erhält dadurch eine bräunliche Färbung – ähnlich wie Tee, der durch gelöste Pflanzenstoffe seine Farbe bekommt.

Schlechtere Sicht erschwert Überleben

Mit zunehmender Braunfärbung sinkt die Sichtweite unter Wasser. Für viele Fischarten wird es dadurch schwieriger, Nahrung zu finden, Fressfeinden auszuweichen oder geeignete Lebensräume zu erkennen. Die Studie zeigt, dass Fische in dunkleren Gewässern häufig langsamer wachsen. Dies kann langfristig zu kleineren Populationen führen und die Zusammensetzung der Fischgemeinschaften verändern. Die Wissenschaftler werteten Daten aus zahlreichen früheren Untersuchungen aus und analysierten zusätzlich Fischgemeinschaften in Hunderten Seen. Dabei zeigte sich, dass Arten mit größeren Augen in dunkleren Gewässern häufiger vorkommen. Gute Sehfähigkeit scheint ein wichtiger Vorteil zu sein, wenn das Wasser trüber wird.

Verlierer und Gewinner der Entwicklung

Besonders betroffen sind mehrere wirtschaftlich und ökologisch bedeutende Fischarten. In den untersuchten Gewässern gingen braunere Wasserbedingungen mit geringeren Beständen von Seeforellen, Maränen, Flussbarschen sowie Schwarzbarschen einher. Die Populationen der Bachforelle blieben dagegen weitgehend unverändert. Zu den Gewinnern zählen hingegen Hechte und Zander. Beide Arten verfügen über spezielle Anpassungen, die ihnen das Leben in trübem Wasser erleichtern. Zander besitzen eine besonders lichtempfindliche Netzhaut und können auch bei schlechten Sichtverhältnissen erfolgreich jagen. Hechte wiederum nutzen neben dem Sehsinn ihr ausgeprägtes Seitenlinienorgan, mit dem sie Bewegungen und Druckwellen im Wasser wahrnehmen können.

Fischerei und Gewässermanagement

Die Veränderungen könnten langfristig auch Auswirkungen auf die Freizeit- und Berufsfischerei haben. In Gewässern mit stärkerer Braunfärbung könnten Arten wie Hecht und Zander häufiger werden, während klassische Zielfische wie Forellen oder Barsche an Bedeutung verlieren. Angler müssten ihre Methoden entsprechend anpassen und stärker auf Köder setzen, die Vibrationen oder Gerüche erzeugen, statt allein auf optische Reize zu vertrauen. Für Gewässermanager und Naturschutzbehörden liefert die Forschung wichtige Hinweise darauf, wie sich Süßwasserökosysteme unter den Bedingungen des Klimawandels verändern. Die zunehmende Braunfärbung ist nicht nur ein sichtbares Zeichen ökologischer Veränderungen, sondern beeinflusst direkt die Artenvielfalt und die Struktur von Fischbeständen.

(red)

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