Überleben auf dem höchsten Punkt der Welt
So gelingt es Amateur-Bergsteigern, den Mount Everest auf 8.848 Metern Seehöhe zu erklimmen.

Der Mount Everest steht wie kein zweiter Ort für das Extreme – in jeder Hinsicht. Während sich das Bild vom einsamen Alpinisten, der nach wochenlanger Expedition den höchsten Punkt der Erde erreicht, längst verändert hat, bleibt die körperliche Herausforderung dieselbe: In der sogenannten „Todeszone“ oberhalb von 8.000 Metern beginnt der menschliche Körper langsam zu sterben. Und doch steigen jedes Jahr Hunderte Menschen dort hinauf. Wie ist das möglich?
Der Kampf gegen den Sauerstoffmangel
Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck – und damit die Menge an Sauerstoff, die bei jedem Atemzug in die Lunge gelangt. Auf 8.848 Metern ist der Sauerstoffpartialdruck nur noch ein Drittel dessen, was wir auf Meereshöhe gewohnt sind. Die Folge: Der Körper reagiert mit Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit – Symptome der Höhenkrankheit, die in ihrer schweren Form tödlich enden kann. Ohne vorherige Anpassung, sogenannte Akklimatisation, ist ein Aufstieg unmöglich.
Traditionell erfolgt diese durch wochenlanges Leben und Bewegen in zunehmender Höhe. Doch in der neuen Welt des Hochgebirgstourismus soll alles schneller gehen. Deshalb wird der Körper inzwischen schon vor dem Abflug nach Nepal auf den Sauerstoffmangel vorbereitet – im Schlaf.
Die moderne Akklimatisation
Statt sich auf langwierige Höhenlager und Zwischenaufstiege zu verlassen, setzen zahlungskräftige Kunden auf Technologie. Eine Methode ist das Hypoxiezelt: Dabei wird zuhause unter künstlich reduziertem Sauerstoffanteil geschlafen, um die Bildung roter Blutkörperchen zu fördern – ein Prozess, der die Sauerstoffaufnahme im Körper verbessert.
Noch einen Schritt weiter geht der Einsatz des Edelgases Xenon. In geringen Dosen eingeatmet, stimuliert es die Ausschüttung von Erythropoietin (EPO) – ein Hormon, das ebenfalls die Bildung roter Blutkörperchen ankurbelt. Ursprünglich bekannt aus dem Sportdoping, ist Xenon in der Höhenanpassung inzwischen ein legal genutztes Mittel – mit messbarem Effekt.
Was früher mehrere Wochen dauerte, soll damit in wenigen Tagen gelingen: Vom klimatisierten Büro direkt in die dünne Luft des Himalayas.

Vom Gipfeltraum zum Geschäftsmodell
Was früher Ausnahmeathleten und Expeditionspioniere leisteten, ist heute ein Geschäft mit zahlungskräftigen Abenteurern. Sherpas tragen Flaschensauerstoff und errichten fixe Seilrouten, um möglichst vielen Menschen den Weg zum Gipfel zu ermöglichen. Doch der Preis ist hoch: Überfüllte Routen, lebensgefährliche Staus und die Frage, wie weit man das Limit des menschlichen Körpers technisch verschieben darf.
Wie aus einem Sehnsuchtsort ein Geschäft wurde – das zeigt die Dokumentation „Mount Everest – Vom Mythos zum Business“ am Montag, 7. April, ab 20:15 Uhr auf ServusTV.
(PA/red)