Umweltalarm wegen Asbest im Burgenland

Die Sperre mehrerer Steinbrüche im Südburgenland wirft Fragen zur Verantwortung des Landes auf.

26.01.2026 15:25
Redaktion
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Asbest-Gestein

Im Südburgenland sind im Jänner mehrere Steinbrüche behördlich geschlossen worden. Die Stilllegungen erfolgten nach dem Mineralrohstoffgesetz wegen „Gefahr in Verzug“. Dieses Instrument greift nur dann, wenn ein Weiterbetrieb als nicht verantwortbar gilt. Auslöser waren Untersuchungen, bei denen Asbest in dem gewonnenen und aufbereiteten Gestein nachgewiesen wurde. Das Material wurde unter anderem im Straßenbau, als Streugut sowie in öffentlichen Anlagen eingesetzt.

Asbest ist nicht gleich Asbest

Asbest kommt in bestimmten Gesteinen natürlich vor, insbesondere in sogenannten Serpentiniten. Der bloße Nachweis von Asbest im gewachsenen Fels ist nicht problematisch. Entscheidend ist, was mit dem Gestein passiert. Beim Abbau, Sprengen, Brechen, Mahlen und Sieben entstehen feine Stäube – und genau in diesem Prozess können lungengängige Asbestfasern freigesetzt werden.

Weil in den Steinbrüchen im Südburgenland eine Gefährdung nicht ausgeschlossen werden kann, wurde offenbar die Notbremse gezogen. Die behördlichen Maßnahmen richteten sich in erster Linie auf den Schutz von Beschäftigten, aber auch auf mögliche Risiken für Abnehmer des Materials.

Greenpeace als Aufdecker

Die Umweltorganisation Greenpeace hat Materialproben an öffentlich zugänglichen Orten untersucht – etwa auf Straßenflächen, in einem Skatepark oder im Umfeld des Krankenhauses Oberwart. Dabei wurden teils sehr hohe Asbestanteile im verbauten Material festgestellt. Diese Messungen betrafen nicht ruhendes Gestein, sondern bereits genutzte, mechanisch beanspruchte Flächen.

Ob daraus eine relevante Belastung der Atemluft entsteht, ist Gegenstand laufender Untersuchungen. Unbestritten ist jedoch: Ohne den öffentlichen Druck durch Greenpeace wären die Vorgänge in dieser Form kaum sichtbar geworden. Die Schließung der Steinbrüche selbst beruht allerdings auf amtlichen Prüfungen, nicht auf NGO-Behauptungen.

Reaktion des Landes Burgenland

Das Land Burgenland betont, es gebe derzeit keine akute Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung. Maßgeblich sei nicht der Asbestgehalt im Material, sondern ausschließlich eine mögliche Belastung der Luft. Entsprechend wurden Luftmessungen angekündigt und eine Taskforce eingesetzt, die die Ergebnisse fachlich begleiten soll. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil verweist auf das Vorsorgeprinzip, mahnt aber zugleich zur Sachlichkeit.

Etwaige Fehler von Seiten der Behörden werden dementiert.

Mögliche Gefährdung der Arbeiter

Ein Aspekt der Causa betrifft jene Menschen, die dem Material beruflich und über längere Zeit ausgesetzt waren. Beim Abbau und bei der Aufbereitung von serpentinitischem Gestein entstehen Stäube, die – abhängig von Zusammensetzung und Bearbeitung – Asbestfasern enthalten können. Für Arbeiter in Steinbrüchen ist die Exposition ungleich höher als für die Allgemeinbevölkerung.

Ob und in welchem Ausmaß Beschäftigte tatsächlich belastet wurden, ist derzeit nicht öffentlich dokumentiert. Es liegen keine veröffentlichten arbeitsmedizinischen Untersuchungen vor. Dass die Betriebe dennoch mit sofortiger Wirkung stillgelegt wurden, zeigt jedoch, dass eine Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen werden konnte.

Was passiert, wenn Asbest eingeatmet wird?

Asbestfasern sind extrem fein, stabil und biologisch kaum abbaubar. Gelangen sie über die Atemluft in die Lunge, können sie bis in die tiefsten Bereiche der Atemwege vordringen und dort dauerhaft im Gewebe verbleiben. Der Körper ist nicht in der Lage, diese Fasern abzubauen oder auszuscheiden.

Die möglichen Folgen reichen von Asbestose, einer fortschreitenden Vernarbung des Lungengewebes, über Lungenkrebs bis hin zum Mesotheliom, einem besonders aggressiven Tumor des Brust- oder Bauchfells. Charakteristisch ist die lange Latenzzeit: Zwischen Exposition und Erkrankung können 20 bis 40 Jahre liegen. Dass derzeit keine auffälligen Erkrankungsraten bekannt geworden sind, bedeutet keine Entwarnung. Jetzt wo eine mögliche Ursache kursiert, werden Betroffene wissen wollen, ob Asbest schuld hat.

(APA/red)

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