Wiens Mega-Trinkwasser-Speicher schreitet voran
Mit einem Milliardenliter-Projekt stärkt Wien seine Wasserversorgung für die wachsende Stadtbevölkerung.
Während vielerorts über Wasserknappheit diskutiert wird, investiert Wien konkret. In Neusiedl am Steinfeld entsteht derzeit der weltweit größte geschlossene Trinkwasserspeicher. Das Projekt gilt als Schlüsselbaustein der langfristigen Trinkwasserstrategie der Stadt und soll die Versorgungssicherheit für kommende Jahrzehnte absichern. Der Rohbau des riesigen Wasserbehälters ist bereits weit fortgeschritten.
Beton, Kontrolle und Qualitätssicherung
Der neue Speicher wird schrittweise um insgesamt vier zusätzliche Wasserkammern erweitert. Allein für den aktuellen Bauabschnitt werden rund 35.000 Kubikmeter Beton verarbeitet. Um die Langlebigkeit und absolute Dichtheit der Konstruktion sicherzustellen, finden seit Beginn der Arbeiten wöchentliche Betonprüfungen statt. Diese erfolgen in enger Abstimmung zwischen Wiener Wasser und der städtischen Prüf- und Zertifizierungsstelle MA 39.
Gerade bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ist diese baubegleitende Kontrolle entscheidend. Die Betonqualität, die Tragfähigkeit des Untergrunds und die Ausführung der Bauteile werden laufend überprüft. Ziel ist eine Infrastruktur, die nicht nur heutigen, sondern auch künftigen technischen und hygienischen Anforderungen entspricht.
Ein Speicher für eine wachsende Stadt
Der Behälter ist direkt in das Gefälle der I. Wiener Hochquellenleitung eingebunden. Das Wasser fließt allein durch natürliche Schwerkraft – ganz ohne Pumpen – durch die Anlage bis nach Wien. Derzeit fasst der Speicher rund 600 Millionen Liter Wasser. Bis Ende 2028 soll das Volumen auf 800 Millionen Liter anwachsen. In einer weiteren Ausbauphase ist die Erweiterung auf rund eine Milliarde Liter geplant.
Damit würde sich das Speichervolumen um rund 70 Prozent erhöhen. Insgesamt kann Wien künftig in 31 Wasserbehältern etwa zwei Milliarden Liter Trinkwasser vorhalten – ein entscheidender Puffer für Trockenperioden, Spitzenverbrauch und Extremwetterereignisse.
Vorsorge gegen Klimarisiken
Prognosen gehen davon aus, dass Wien bis 2050 um die Einwohnerzahl von Graz wachsen könnte. Gleichzeitig nehmen Wetterextreme zu, die die Verfügbarkeit von Quellwasser zeitweise einschränken können. Vor diesem Hintergrund setzt die Stadt mit ihrer langfristigen Wasserstrategie auf mehr Speicher, zusätzliche Infrastruktur und technische Redundanzen.
Rund ein Drittel dieser Maßnahmen ist bereits umgesetzt. Als nächstes Großprojekt ist der Bau eines neuen Trinkwasserwerks auf der Donauinsel geplant, das ab 2029 bei Bedarf bis zu 1.000 Liter Wasser pro Sekunde liefern kann.
Sicherheit bis zum Wasserhahn
Dass Wiens Trinkwasser international als Qualitätsmaßstab gilt, ist kein Zufall. Täglich werden Proben entnommen und analysiert – jährlich sind es rund 70.000 Einzelparameter. Diese lückenlose Kontrolle reicht von der Quelle über Speicher und Leitungen bis zum Wasserhahn.
Bei einem Lokalaugenschein überzeugten sich Vizebürgermeisterin Kathrin Gaál und Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky vom Stand der Arbeiten. Beide betonten die Bedeutung des Projekts für die hohe Lebensqualität in Wien. Im Vorjahr stellten Wiener-Wasser-Chef Paul Hellmeier und Bürgermeister Michael Ludwig das Projekt der Öffentlichkeit vor.
(PA/red)